Kino

19.12. | Kinotipp der Woche

Peanut Butter Falcon

19.12. | Kinotipp der Woche

Viele Skandale, wenige Filme, so sahen die letzten Jahre für Shia LaBeouf aus. Mit „The Peanut Butter Falcon“ meldet sich der einstige Teenie-Star nun zurück.

Mr. LaBeouf, Sie drehen nur noch ausgewählte Filme. Warum diesen?
Die beiden Regisseure Tyler Nilson und Michael Schwartz haben „The Peanut Butter Falcon“ für meinen Kollegen Zack Gottsagen geschrieben, einen Schauspieler mit Down-Syndrom. Gemeinsam hatten sie eine Art Kurzfilm gedreht, um Produzenten und Leute wie mich von dem Projekt zu überzeugen – und der hat mich einfach begeistert. Ich spürte, dass hier Leute am Werk sind, die genau wissen, was sie wollen. Und in Zack hatte ich einen Partner wie einen Löwen. Es fühlte sich an, als könnte ich gar nichts falsch machen, denn es ist sowieso er, der die Leute in den Bann zieht.

Wie fühlte sich das Arbeiten an diesem Film an?
Es war wie in einer kleinen Theaterkompanie oder einer Improvisationstruppe, was natürlich vor allem an Zack lag. Nur weil im Drehbuch stand, dass er rechts stehen sollte, hieß das nicht, dass er nicht vielleicht doch nach links ging. Er hat immer nur getan, was sich für ihn richtig anfühlte. Und er war dabei immer durch und durch ehrlich. So wahrhaftig wie bei diesem Film habe ich noch keine Arbeitserfahrung empfunden. Das hat mich verändert.

In welcher Hinsicht?
Bevor ich diesen Film drehte, war ich ziemlich einsam. Ich trug viel Schuld und Scham mit mir herum, auch schon bevor ich kurz vor Beginn der Dreharbeiten in Georgia wegen Trunkenheit und anderem verhaftet wurde. Das passte durchaus zu der Figur, die ich spielen musste. Aber genau wie im Film gelang es Zack und den anderen auch in der Realität, mich irgendwie aus diesem Loch zu retten. Lebensmut, Ehrlichkeit, all diese Dinge, die ich um mich herum spürte, färbten auf mich ab. Dadurch habe ich mich privat, aber auch als Schauspieler wirklich verändert. Früher habe ich vor der Kamera größtenteils mein eigenes Ding durchgezogen. Da habe ich selbst auf den Regisseur kaum gehört. Inzwischen weiß ich, wie sehr ich von diesem Miteinander profitieren kann.

Für Ihren zweiten neuen Film „Honey Boy“ haben Sie sogar das autobiografische Drehbuch geschrieben, über sich und Ihren Vater...
Ja, das war eine Art Exorzismus für mich, ziemlich therapeutisch. Ich bin quasi mit einer Taschenlampe durch das Dachkämmerchen meiner Seele gezogen, um meine eigene Vergangenheit zu sortieren. Ich habe alles aufgeschrieben, was mir dazu einfiel – und als meine gute Freundin, die Regisseurin Alma Har’el, das las, erkannte sie darin Potenzial für einen Film.

Fazit: Ein junger Mann mit Down-Syndrom bricht aus seinem Heim aus, um sich den Traum von einer Wrestling-Karriere zu erfüllen. So beginnt ein Südstaaten-Abenteuer auf den Spuren von Huckleberry Finn, das vielleicht nicht allzu tief schürft, aber mit enormer Warmherzigkeit und Güte sowie einem tollen Schauspieler-Trio (Dakota Johnson ist auch dabei) im Herzen berührt.

Patrick Heidmann