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19.02. | Album der Woche

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Geliebte Eifersucht

Rhye ist Optimist – nicht nur in seinem leichtfüßigen Dream-Pop, sondern auch in seiner Sichtweise auf die wirklich wichtigen Dinge des Lebens.

»Es ist nicht nur eine Struktur aus Wänden und Treppen, sondern das kreative Herzstück: Ein Ankerpunkt, an dem man seiner Kreativität freien Lauf lassen und alles ausprobieren darf«, erklärt Michael Milosh, besser bekannt unter seinem Künstlerpseudonym Rhye, sein Verständnis des Begriffs »zu Hause«. Der gebürtige Kanadier, der bereits in Thailand, Deutschland und den Niederlanden lebte, hat sich erstmals in seiner Karriere dazu entschieden, Wurzeln zu schlagen. Dass die Wahl dabei auf Kalifornien fiel, hat vorrangig mit seiner Freundin Genevieve Medow-Jenkins zu tun. »Ich wollte Kalifornien eigentlich gerade verlassen, dann habe ich Genevieve getroffen und mich entschieden zu bleiben. Wir haben ein Haus mitten in der Natur gekauft, das bereits seit den Siebzigern eine Kreativstätte ist. Es war Schicksal: Wir fuhren gerade die Einfahrt entlang und die Besitzerin kam uns entgegen und lächelte uns zu – und alle wussten sofort, dass wir die neuen Eigentümer werden würden.«

Als Inspiration für »Home« diente jedoch nicht nur das neue Heim, sondern auch Genevieve selbst: »Viele der Songs handeln von ihr. Deswegen ist es für mich schlüssig, dass auf dem Cover ein Foto von ihr zu sehen ist. Für mich fühlt sich das natürlich an und ich habe keine Angst davor, dass diese persönlichen Einblicke mein musikalisches Projekt in irgendeiner Art gefährden.« Obwohl Rhye die autodominierte Infrastruktur in Los Angeles mit Freuden gegen die Fahrradkultur aus den Niederlanden eintauschen würde, sieht er vor allem in künstlerischer Hinsicht einen großen Vorteil, denn die Stadt ist für ihn ein kreativer Knotenpunkt, vergleichbar mit dem New York der Achtziger.

Einschüchtern lässt Rhye sich von der Vielzahl Kreativschaffender nicht: »Es ist großartig, von so vielen Ausnahmekünstlern umgeben zu sein. Eifersucht ist mein Lieblingsgefühl. Es bedeutet, dass ich von jemandem inspiriert bin. Ich hege kein Konkurrenzdenken, sondern nutze diese Emotion als Motivator, um mich weiterzuentwickeln.« Diese positive Sichtweise ist stellvertretend für den ungetrübten Optimismus, durch den sich Rhye und seine Musik auszeichnen. Obwohl sein Ratschlag, Schönheit in einfachen Dingen wie Freundschaft oder der Natur zu suchen, auf den ersten Blick profan klingen mag, wirkt Rhye so sehr im Einklang mit sich und seiner Umwelt, dass man ihm trotzdem Gehör schenkt. Denn wenn 2020 uns eines gelehrt hat, dann wie wichtig es ist, Freude im Alltäglichen zu finden.

Fazit:
In Rhyes sanftem Dream-Pop kann man sich ohne Probleme verlieren. Mit kompositorischen Finessen und seinem besonderen Feingefühl für instrumentale Parts gelingt es Rhye, die Monotonie, die seine spezielle Stimme in wenig variabler Tonlage auf Albumlänge auslösen könnte, geschickt zu umgehen. Besonders heraus sticht „Come In Closer“, das sich mit groovigem Bass und seiner besonders eingängigen Melodie als echter Ohrwurm entpuppt.

Foto: Emma Marie Jenkinson


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