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18.10. | Kinostart der Woche

Der Vorname

18.10. | Kinostart der Woche - Der Vorname

Wenn der Vorhang fällt

Der Vorname

Constantin Film • 18. Oktober

Regisseur Sönke Wortmann stellt eine Abendgesellschaft vor die Zerreißprobe, als ein Teilnehmer den Namen für sein erwartetes Kind verkündet.

Herr Wortmann, mögen sie eigentlich Ihren eigenen Vornamen?

Ich mag ihn mittlerweile. Als Kind fand ich ihn ganz furchtbar. Ich hätte damals mein ganzes Taschengeld gegeben, um Uwe oder Thomas zu heißen.

Im Ruhrgebiet der sechziger Jahre war Sönke sicher ungewöhnlich.

Bis zu meinem 18. Lebensjahr kannte ich niemand anderen, der so hieß. Da war ein Reiter namens Sönke Sönksen, aber das war’s auch schon. Meine Mutter stammt aus Schleswig-Holstein, also Nordfriesland. Daher kommt der Name.

In „Der Vorname“ kommt es zum Eklat im Freundeskreis, weil ein werdender Vater seinen Sohn Adolf nennen will. Gibt es Tabu-Vornamen?

Ein Vorname wie Adolf verfolgt einen natürlich ein Leben lang und wirft auch ein Schlaglicht auf die Eltern, deren Gründe für diese Wahl immer hinterfragt werden. Denn es kann ja eigentlich nicht sein, dass man den Namen gut findet. Deshalb hat man da eine große Verantwortung. Adolf ist ein Extrembeispiel. Es gibt auch Namen, die einfach nicht in die Zeit passen. Ich würde meine Tochter beispielsweise heute nicht Roswitha nennen.

Der Film ist ein Remake einer französischen Vorlage. Auch dort ging es um den gleichen Vornamen: Adolphe.

Er war in Frankreich ein großer Erfolg und lief auch in Deutschland, ging hier aber unter. Für mich war das einer der Gründe, diesen Film noch einmal zu adaptieren, weil er doch eigentlich viel besser nach Deutschland passt.

Die Bildungsbürger in „Der Vorname“ werden dabei genüsslich vorgeführt, allen voran die Rolle von Christoph Maria Herbst.

Als Figur ist dieser Professor Berger sehr in seiner Ideologie verhaftet. Ich kenne das auch von mir persönlich. Ich habe mein Leben viel zu lange mit Ideologien verbracht und dabei gemerkt: „Die Bösen sind oft gut und die Guten sind gerissen“, wie Max Herre mit Freundeskreis im Song „Wenn der Vorhang fällt“ singt.

Ist die unmögliche Diskussions- und Streitkultur dieser filmischen Abendgesellschaft, die sich letztendlich bis aufs Blut provoziert auch symptomatisch für unsere Zeit? Das würde ich total unterschreiben. Man sollte sich besser zuhören. Aber ich habe schon das Gefühl, dass sie am Ende des Films etwas verstanden haben und auch der Rolle von Christoph Maria Herbst sehe ich an, dass in seinem Kopf vielleicht eine Veränderung stattfindet. Es ist mir da noch mal wichtig, dass eine Lösung am Horizont zu sehen ist, auch wenn sie noch so weit entfernt scheint.

Jens Mayer

Fazit Sönke Wortmanns Neuverfilmung der französischen Komödie von Alexandre de La Patellière und Mathieu Delaporte mit Stars wie Christoph Maria Herbst, Caroline Peters, Florian David Fitz und Iris Berben ist ein bitterböser Blick hinter den Vorhang des vermeintlich liberalen Bildungs- und Spießbürgertums und entlarvt genüsslich Doppelmoral und Pedanterie.