18.06. | Buch der Woche: Emanuel Deutschmann • Die Exponentialgesellschaft
Suhrkamp
Emanuel Deutschmann
Die Exponentialgesellschaft
Suhrkamp / 442 Seiten / 32,00€
Die heutige Zeit multipler Krisen und komplexer globaler Verstrickungen benötigt Lösungsmuster, die aus dem Tunnelblick von Disziplinen heraustreten und in Zusammenhängen denken. Da kommt ein Intellektueller wie Emanuel Deutschmann gerade recht. Der Soziologe tummelt sich in Migrationsthemen, Regionalisierung, Verhaltenstheorie und mathematischen Potenzgesetzen. In »Die Exponentialgesellschaft« schreibt er über den Zusammenhang zwischen Klimakrise, Künstlicher Intelligenz und der Corona-Pandemie. Mit einer Vielzahl an Daten analysiert er zeitgenössische globale Trends, die eins gemeinsam haben: Sie wachsen gleichbleibend und vervielfacht, selbst bei Phänomenen wie dem Mietspiegel oder internationalem Tourismus, die zunächst wenig zulegten, explodiert der Zuwachs irgendwann. Die Unfähigkeit exponentielles Wachstum zu verstehen und es stattdessen als wünschenswerte Entwicklung zu verkleiden, schafft beim gleichzeitigen Turbowachstum multipler Entwicklungen in Wirtschaft, Ökologie, Gesundheit und Technologie ein existenzbedrohendes globales Szenario. Das Buch schlägt vor, das Wachstumsnarrativ zu verändern und stattdessen Stabilisierung anzustreben, nicht im Sinne von Stagnation oder Rückschritt, sondern um die exponentielle Unkontrollierbarkeit als Bedrohung zu entlarven. Die Art, wie selbstverständlich Deutschmann sich dabei über die Grenzen von Fachgebieten hinwegsetzt, weist den Weg in die Zukunft der Gesellschaftsforschung.
Miguel Peromingo