Musik

18.04. | Album der Woche

Joep Beving • Henosis

18.04. | Album der Woche - Joep Beving • Henosis

Henosis JOEP BEVING

Henosis

Deutsche Grammophon • 05. April

Pianist Joep Beving aus Amsterdam schließt mit » Henosis « seine kontemplative, von der Suche nach dem Sinn des Seins inspirierte Album-Trilogie ab.

» Henosis « kommt aus dem Altgriechischen und bedeutet » Versöhnung « oder » Vereinigung «. War der Begri von Anfang an als Albumtitel gesetzt?

Nein, zunächst kristallisierte sich die Bedeutung heraus, erst dann suchte ich nach einem Wort, das genau darauf passt.

Sie möchten mit Ihrer Musik also zusammenführen?

Ja. Im Mittelpunkt steht für mich die Frage, wie wir uns unserer Realität gegenüber verhalten und ob nicht vielleicht noch eine ganz andere Realität existiert. Ich wünsche mir, dass jeder seine eigene Individualität vergisst und versucht, sein Ego zu überwinden. Hierzu habe ich mir eine Reise in einen Kosmos ausgemalt, die zugleich eine Reise ins Selbst ist. Am Ende dieser Reise ist man eins geworden mit dem Universum.

Was haben Sie bei dieser Reise in Ihr Inneres entdeckt?

Vertrauen. Indem ich versucht habe, meinen eigenen Weg zu nden, habe ich mich für eine Seite der Wirklichkeit geönet, die weniger mit Angst und Zweifeln und dafür mehr mit Ho- nung zu tun hat.

Waren Sie auf der Suche nach Vertrauen? Ja, das begann etwa 2014. Ich verspürte keine richtige Verbindung mehr zwischen dem, was ich meinem Leben tat und dem, was ich eigentlich machen wollte und sollte. Ich fing wieder an, Klavier zu spielen, suchte nach einer gewissen Ruhe, Essenz und Klarheit, und fand sie in der Musik. So habe ich mich selbst therapiert.

Ihren Job, bei dem Sie bei einer Werbeagentur Kunden bezüglich der musikalischen Untermalung ihrer Clips beraten haben, konnten Sie inzwischen kündigen. Sind Sie überrascht von dem Zuspruch, den Ihre Musik erhält?

Ja, das ist für mich ein großes Wunder. Ich wollte eigentlich nur eine Platte für den kleinsten Kreis machen, damit man den Kindern später mal etwas hinterlassen kann. Dann bekam ich eine Chance, und die habe ich ergrien.

Jeder scheint auf der Suche nach Substanz und Ruhe in einer überdrehten Welt zu sein. Ist Ihr Erfolg ein Zeichen für die Sehnsucht nach Entschleunigung?

Ich denke schon. Draußen gibt es so viel Lärm, so viel Stress, so viel Input. Die Menschen brauchen etwas zum Festhalten. Anschließend machen sie sich hoentlich Gedanken, wie sie in Zukun leben wollen.

Was kommt nach der Trilogie?

Das weiß ich noch nicht. Irgendwann habe ich hoentlich mal wieder Zeit, um mit meiner Familie eine Woche in einer Holzhütte im Wald zu verbringen. Und dann setze ich mich ganz ruhig ans Klavier und sehe, wohin mich meine Gedanken tragen. Interview: Steffen Rüth

FAZIT: 22 Stücke benötigt der 43-jährige Wahl-Amsterdamer, um nach » Solipsism « (2015) und » Prehension « (2017) seine, wie er sagt, » musikalische Suche nach Verstehen « abzuschließen. Nach sachtem Beginn (» Into The Dark Blue «) nimmt die Platte Fahrt auf. Autodidakt Beving, dessen Klassik- Pop Vergleiche etwa mit Nils Frahm oder Olafur Arnalds nahelegen, reichert seine Klavier- Kleinode dieses Mal unter anderem mit Streichern und elektronischen Elementen an.