16.7. | Kinostart der Woche: Was haben wir gelacht
Foto: BASIS BERLIN Filmproduktion / ZDF / Thomas Lütz
Wer durfte im deutschen Fernsehen eigentlich lustig sein – und wer war vor allem Zielscheibe der Witze? Der Dokumentarfilm »Was haben wir gelacht« von Eva Müller und Isabel Schneider blickt zurück auf das Unterhaltungsfernsehen der 1990er- und frühen 2000er-Jahre und rückt dabei jene Frauen in den Mittelpunkt, die diese Fernsehära mitgeprägt haben. Maren Kroymann, Hella von Sinnen, Bettina Böttinger, Esther Schweins und Gaby Köster erinnern sich an eine Zeit, in der Sexismus oft als selbstverständlicher Bestandteil der Unterhaltung galt und Grenzüberschreitungen vor laufender Kamera selten hinterfragt wurden. Mit Hella von Sinnen kommt dabei auch eine der prägendsten Stimmen des deutschen Unterhaltungsfernsehens zu Wort, die Leserinnen und Leser in der am 13. August erscheinenden GALORE-Ausgabe 78 zudem im ausführlichen Interview erleben können.
Aus Archivmaterial und den persönlichen Erinnerungen seiner Protagonistinnen entsteht weit mehr als eine nostalgische Fernsehrückschau. Der Film zeigt, wie eng Humor und gesellschaftliche Machtverhältnisse miteinander verknüpft sind und wie sehr das Fernsehen über Jahrzehnte prägte, worüber gelacht wurde. Dabei gelingt den Regisseurinnen der Spagat zwischen unterhaltsamen, teils verblüffenden TV-Momenten und einer klugen Einordnung ihrer Wirkung. »Was haben wir gelacht« erhebt nie den moralischen Zeigefinger, sondern lässt seine Gesprächspartnerinnen mit Witz, Selbstironie und bemerkenswerter Offenheit auf ihre Erfahrungen zurückblicken. So entsteht ein ebenso kurzweiliger wie nachdenklicher Dokumentarfilm, der bekannte Fernsehbilder aus einer Perspektive betrachtet, die lange zu selten im Mittelpunkt stand.
Tim Wetzer