15.1. | Kinostart der Woche: Silent Friend

15.1. | Kinostart der Woche - Silent Friend
Foto: Pandora Film

Silent Friend

Geschichten dreier Forscher-Generationen, die eine Gemeinsamkeit verbinden: der Ginkgo im Universitätsgarten von Marburg. Doch bei Regisseurin Ildikó Enyedi geht es nicht wirklich ums Geschichtenerzählen. Man wird nämlich nie erfahren, ob sich die Botanik-Studentin Grete 1908 im misogynen Universitätsbetrieb emanzipiert. Es ist egal, ob Gundula und Hannes über ihre Geranienforschung 1972 ein Paar werden, und wir werden nie erfahren, ob Neurowissenschaftler Tony in der einsamen Corona-Zeit auf dem Marburger Campus über die Empfindungen des Baumes den Nobelpreis erlangt. Die virtuos mit 35mm Schwarz-Weiß-Film (1908), diesigem 16mm (1972) sowie gestochenem HD-Format (2020) formal separierte, aber dramaturgisch eng verwobene Zeitreise wirbt für die Befreiung des erwachsenen Geistes. Will heißen, dem Gemeinmachen mit der unverstellten Auffassungsgabe von Pflanzen und Säuglingen. Das mag esoterisch klingen, ist aber das Gegenteil, nämlich im wahrsten Sinne »mind blowing«.

Silent Friend
2 Std. 27 Min.

Jörg Gerle


Alle Artikel in Kino