Musik

15.03. | Album der Woche

Adia Victoria • Silences

15.03. | Album der Woche - Adia Victoria • Silences

Silences ADIA VICTORIA

Silences

Warner

Newcomerin Adia Victoria hat mit „Silences“ ein sehr persönliches, kraftvolles Album vorgelegt. Im Gespräch erzählt sie, was sie bei der Arbeit beeinflusst hat.

Miss Victoria, warum haben Sie für Ihr neues Album den Titel „Silences“ gewählt?

Als ich begann, neue Songs zu schreiben, hatte ich gerade erst die Aufnahmen für mein Debütalbum „Beyond the Bloodhounds“ abgeschlossen. Ich war so erschöpft wie nie zuvor und hatte das Gefühl, der Welt bereits alles von mir gegeben zu haben. Es war damals sehr anstrengend, den Zugang zu meinen Emotionen wiederzufinden und mich kreativ auszudrücken. Der Titel meines Albums veweist auf das 1978 erschienene Buch „Silences“ der feministischen Autorin Tillie Olsen. Sie beschreibt darin die kräftezehrende Arbeit, die Frauen oft neben ihrem Beruf leisten müssen, etwa den Haushalt zu führen oder Kinder zu versorgen. Diese Arbeit raubt ihnen die Kraft, auf kreative Weise produktiv zu sein und bringt sie damit zum Schweigen. Olsen hat in ihrem Buch so viel gesagt, was mich in diesem Moment auch selbst beschäftigt hat, sodass „Silences“ für mich der einzig stimmige Titel war.

Als Blues-Musikerin arbeiten Sie in einem eher männlich-dominierten Bereich. Was bedeutet das für Sie?

In erster Linie darf ich mich niemals darauf verlassen, etwas geschenkt zu bekommen. Es braucht eine Menge Entschlossenheit, der Welt mit meiner Musik entgegenzutreten. Ich muss für mein Schaffen selbst Verantwortung übernehmen und darf nicht erst auf die Zustimmung eines Mannes warten. Den vielen legendären Blues-Musikerinnen, die vor mir ihre Stimmen genutzt haben, um ihre Geschichten zu erzählen, fühle ich mich sehr verbunden. Sie waren der Blues und auch ich bin der Blues.

Von welcher Art von Liebe handelt der Song „Different Kind Of Love“?

Zum einen handelt er von der Art von Liebe, in der man sein kann, wer man wirklich ist. Eine Liebe, in der dein Gegenüber nicht versucht, dich zu ändern, sondern jede Facette deiner Persönlichkeit liebt. Zum anderen rührt der Song aber auch von meiner ganz persönlichen Geschichte her. Ich war in einer Beziehung mit einem Mann gefangen, der mich nicht besonders gut behandelte und mir das Gefühl gab, dumm und wertlos zu sein. Bis mir bewusst wurde, dass nicht er, sondern ich es war, die mich lieben musste und niemand sonst. Das ist es auch, was die Songzeile „Between the world and me, what will it be, who will you love?“ in „Different Kind Of Love“ bedeutet. Ich frage mich selbst: Wen willst du lieben? Am Ende sollte ich das sein. Interview: Marina Mucha