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13.09. | Serie der Woche

Chernobyl

13.09. | Serie der Woche - Chernobyl

Chernobyl

Chernobyl

Polyband • 6. September

In fünf Folgen erzählt die Miniserie „Chernobyl“ von Craig Mazin von der Nuklearkatastrophe im russischen Tschernobyl 1986 und den Menschen, die darin verwickelt waren. Wir sprachen darüber mit Stellan Skarsgård, der den stellvertretenden Vorsitzenden des Ministerrats Boris Schtscherbina spielt, der nach dem Unglück die Regierungskommission leitet.

Mr. Skarsgård, erinnern Sie sich noch daran, wo Sie waren, als sich die Katastrophe in Tschernobyl ereignete?
Na klar, ich war damals in Stockholm. Ich erinnere mich noch daran, dass es in ersten Berichten hieß, dass im Umfeld eines schwedischen Atomkraftwerks radioaktive Strahlung gemessen wurde. Aber es dauerte nicht lange, bis klar war, dass diese Strahlung aus der Luft und der Sowjetunion kam. Was die Sache natürlich kaum weniger erschreckend machte.

Sind Sie seither Atomkraftgegner?
Als wir 1980 in Schweden eine Volksabstimmung zu dem Thema hatten, war ich eindeutig gegen Atomenergie und habe entsprechend abgestimmt. Aber die Welt, in der wir heute leben, ist eine andere – und in sehr viel schlechterem Zustand. Atomkraftwerke stellen ein großes Risiko dar und wir sollten so viel wie möglich in erneuerbare Energien investieren sollten.

In »Chernobyl« wird Fachwissen über die Hintergründe einer Katastrophe vermittelt, ohne dass es jemals trocken wird. Hat sich Ihr Interesse an Wissenschaft und Forschung durch die Arbeit erhöht?
Nein. Ich habe mich schon immer dafür interessiert, wie die Dinge funktionieren. Aber noch mehr interessiert es mich, wie Menschen, wie politische Systeme funktionieren. Natürlich musste ich in der Vorbereitung auf meine Rolle auch lernen, wie ein Atomreaktor aufgebaut ist. Doch damit war‘s ja nicht getan. Ich konzentrierte mich darauf, die politische Situation in der Sowjetunion genauer unter die Lupe zu nehmen. Und vielleicht ist das die wichtigste Erkenntnis, die ich am Ende für mich gewonnen habe: Nämlich, dass immer, wenn man es mit einer angeblich unumstößlichen Ideologie zu tun hat und man sich der Unfehlbarkeit dieser Weltanschauung verschreibt, man im Grunde keine andere Wahl hat, als zum Lügner zu werden.

Glauben Sie, dass sich ein Fall wie in Tschernobyl 1986 auch heute noch ereignen könnte?
In Nordkorea würde man heute sicherlich mit einem solchen Vorfall ähnlich verfahren, wie es damals die Sowjetunion tat. Und ganz allgemein ist das Vertuschen, Verzögern und Abweichen von der Wahrheit auf der ganzen Welt in Mode. Trump zumindest ist damit ziemlich erfolgreich. Hinzu kommt die Ideologie des Kapitalismus, die dafür gesorgt hat, dass viele Fehler und Zugeständnisse gemacht wurden. Einfach weil da zu viele große Unternehmen und entsprechend viel Geld mit dran hing.

War also die Tatsache, dass die Serie eine auch heute noch relevante Geschichte erzählt, für Sie das Wichtigste an »Chernobyl«?
Natürlich war mir auf Anhieb klar, dass es wichtig ist, diese Geschichte zu erzählen. Aus historischer Sicht und auch um zeigen, was wir unserem Planeten antun und wie politische Systeme funktionieren. Eine wichtige Botschaft ist allerdings nichts wert, wenn das Drehbuch schlecht ist. Das war im Fall von »Chernobyl« nicht der Fall. Im Gegenteil war dies ein Skript, wie ich es in dieser Form so raffiniert und komplex selten gelesen hatte. Hauptanreiz für meine Zusage war für mich also vor allem das Wissen, dass diese Serie eine wird, die man so noch nicht gesehen hat.

Sie spielen Boris Schtscherbina. Gab es den wirklich?
Es gab einen Schtscherbina, er starb 1990. Aber herausfinden ließ sich nichts über ihn, und selbst wenn hätte meine Figur nicht wirklich auf ihm basiert. Als Schauspieler ist man nicht der Realität verpflichtet, sondern der Geschichte des Drehbuchs. Auch in Filmen oder Serien, die auf realen Menschen und Ereignissen basieren, sind die Figuren immer Fiktion. Nehmen Sie Christian Bale als Dick Cheney in »Vice«. Alles, was in dem Film passiert, hat sich tatsächlich ereignet, aber trotzdem ist das eben nicht der echte Cheney, den wir da sehen. Man kann als Schauspieler einfach immer nur seine ganz eigene Interpretation eines Menschen darstellen, mehr ist unmöglich. Da hilft zum Beispiel auch die beste Maske nichts.

Obwohl auch in dem Fall bei Ihnen in »Chernobyl« ganze Arbeit geleistet wurde…
In der Tat! Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich richtig gute Augenbrauen. In meinem echten Gesicht wächst da ja fast nichts. Von Weitem kann man nie sehen, ob ich wütend bin oder verwundert eine Braue hochziehe. (lacht) Dank der künstlichen Augenbrauen, die sie mir für die Rolle aufklebten, ging das plötzlich. Eichhörnchenhaar auf hauchdünnem Plastik, ich war begeistert!