12.12. | Album der Woche: Rebekka Bakken • Nord

Supreme

12.12. | Album der Woche - Rebekka Bakken • Nord
Foto: Felix Broede

Eine andere Dimension

Egal, ob Rebekka Bakken auf ihrem Album »Nord« traditionelles Liedgut oder ihre Eigenkomposition interpretiert: Ihr Gesang ist zutiefst berührend.

Rebekka Bakken, Sie singen fast alle Songs Ihres Albums »Nord« auf Norwegisch. War das Ihr Herzenswunsch, weil Sie mittlerweile wieder in Ihrer Heimat Norwegen leben?

Vielleicht unterbewusst. Auf jeden Fall bin ich heute mehr mit meinen Wurzeln im Einklang als früher. Mein Motto ist: Ich tue das, was sich für mich richtig anfühlt. Es war mir einfach ein Bedürfnis, diese Platte aufzunehmen.

Macht es für Sie einen großen Unterschied, ob Sie auf Norwegisch oder Englisch singen?

Ja. Der Klang meiner Stimme verändert sich. Ich hätte niemals gedacht, dass ich ein Album wie »Nord« jemals ins Auge fassen könnte. Doch dann erschien mir dieses Projekt auf einmal ganz natürlich. Im Studio bin ich tief in meine eigene Vergangenheit eingetaucht. Diese Erfahrung, gepaart mit meiner Muttersprache, hat den Stücken eine andere Dimension gegeben.

Zu Ihren Eigenkomposition gesellen sich traditionelle Volkslieder. In welcher Beziehung stehen Sie zu Ihnen?

Meine Mutter ist gerne in die Kirche gegangen, und ich musste sie begleiten. Die Worte des Pfarrers haben mich zu Tode gelangweilt. Aber wenn wir zwischendurch gesungen haben, hat mich die Schönheit der Melodien beeindruckt. Wie sehr mich diese Lieder geprägt Eine andere Dimension haben, habe ich allerdings erst als Erwachsene wirklich realisiert.

Wie ist Ihr Verhältnis zur Kirche heute?

Nachdem ich als Kind so viel Zeit in der Kirche verbracht hatte, habe ich mich nicht im Guten von ihr und von der Religion getrennt. Ich brauche weder das eine noch das andere, um mich mit mir zu verbinden, sondern ich genüge mir selbst.

Wenn man sich nicht auf eine höhere Macht verlässt, ist man für sein eigenes Tun hundertprozentig verantwortlich, oder?

Genau. Als Kind habe ich geglaubt, Gott wäre für alles zuständig. Dadurch entwickelte ich ein merkwürdiges Verhältnis zu meinem Leben, weil ich mir immer einreden konnte: »Das liegt gar nicht in meiner Verantwortung.« Irgendwann habe ich jedoch realisiert, dass ich so nicht weitermachen möchte. Ich wollte die Kontrolle über mich erlangen und meine Geschichte selbstbestimmt schreiben.

Sie haben auch bewusst entschieden, das Volkslied »Heiemo og Nykkjen« zu interpretieren. Warum?

Weil es eine tolle Geschichte erzählt, die um die Schöne und das Biest kreist. Ein wichtiger Aspekt ist der Tanz mit dem Teufel, die Anziehungskraft des Bösen.


Cover "Nord" Rebekka Bakken

Rebekka Bakken
Nord
Supreme • 14. November

Dank ihrer hinreißenden Stimme hat Rebekka Bakken die Gabe, traditionelle Volkslieder oder Kirchenlieder in etwas ganz Besonderes zu verwandeln. Auch ihre Eigenkompositionen zeigen viel von ihrer gesanglichen Intensität. Das Herzstück des Albums bildet »My Choicest Hours«, dessen Text auf einem Gedicht des Sufi-Dichters Rabia al-Basri basiert und das die Norwegerin gemeinsam mit dem syrischen Sänger Saleh Mahfoud aufgenommen hat. Er verleiht dem Stück eine arabische Note, sodass Abend- und Morgenland aufeinandertreffen – das verzaubert einen sofort.

Dagmar Leischow


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