Musik

12.11. | Album der Woche

Schiller • Epic

Sony Masterworks · 29. Oktober

12.11. | Album der Woche - Schiller • Epic

Foto: Gregor Hohenberg / Sony Music

Fluchtmusik

Nach seiner Berlin-Hommage schlägt Christopher von Deylen, aka Schiller, auf „Epic“ Soundtrack-typische Töne mit Orchester an.

Herr von Deylen, inwiefern hat die Corona-Zeit Ihr neues Album „Epic“ beeinflusst?
Jede Zeitphase wirkt sich auf das aus, was während ihr entsteht. Mit „Epic“ möchte ich einen Soundtrack zum Eskapismus anbieten. Man kann in ihm den Kontrapunkt zu einer Form von Schwere sehen, an die wir uns mittlerweile vielleicht schon zu sehr gewöhnt haben.

Hat diese Schwere nur mit Corona zu tun?
Jein. Gefühlt ist die Pandemie für viele vorbei. Es gibt aber noch genügend andere Probleme in der Welt, und wir haben immer öfter ein schlechtes Gewissen: ob wir ein Steak essen oder gar in ein Flugzeug steigen. Man entkommt dem Büßerhemd immer seltener. Da kann Musik ein wunderbarer Fluchtpunkt sein. Gerade die Orchestersounds von „Epic” laden dazu ein, die real existierende Welt für einen Moment zu vergessen.

Wenn man Titel wie „Dark Sun“ oder „Free The Dragon“ hört, könnte man meinen, Sie würden sich mit „Epic“ bei einem Hollywood-Produzenten bewerben.
Danke für das Kompliment. Filmmusik erfordert ja einen sehr speziellen Umgang mit Musik. Man erzeugt intensive Stimmungen, die dann an den Filmschnitt angepasst werden. Ich habe vor einigen Jahren die Musik zu einem Film mit Udo Kier komponiert. Über die Hälfte der Zeit habe ich für die Vertonung einer bestimmten Szene verwendet, die mich wirklich sehr berührt hat. Letztendlich wurde sie vom Verleih herausgeschnitten. Das muss man aushalten können –?und wollen. (lacht)

Welchen Film hätten Sie gerne vertont?
„Heat“, den Thriller von Michael Mann mit Al Pacino und Robert de Niro. Jedes Mal, wenn ich ihn sehe, werde ich neidisch auf den Soundtrack-Komponisten. Michael Mann hat eine sehr eigene Methodik in seinen Filmen und schafft mit Filmmusik immer eine großartige Atmosphäre. Nicht umsonst hat er schon mit meinen persönlichen Helden – Tangerine Dream – zusammengearbeitet.

Sie haben „Epic“ mit einem 40-köpfigen Sinfonie-Orchester aufgenommen. Wie war es für Sie, Ihre Kompositionen zum ersten Mal in dieser Form zu hören?
Sehr emotional. Das Spiel dieser großen Könner bedeutete für mich das absolute Klangempfinden. Es war überwältigend und ein einmaliges Erlebnis, diese Energie der musizierenden Menschen zu spüren. Solche Klänge lassen sich mit Maschinen nicht kreieren. Zum Glück.

Hatten Sie Tränen in den Augen?
Ja, hatte ich. Ich habe befürchtet, dass es soweit kommen würde. Da war sie wieder, die Kraft der Musik.

Emily D'Angelo energeia

Schiller
Epic
Sony Masterworks – 29. Oktober

Nach seiner Anfang des Jahres veröffentlichten Hauptstadt-Hommage „Summer in Berlin“ präsentiert Schiller schon die nächste Doppel-CD. Ach was, sein nächstes Werk: „Epic“, programmatisch betitelt, bietet ein vielschichtiges, mal versponnenes, mal unverblümt romantisches Crossover aus Electro und Klassik. Die mit großem Orchester aufgenommenen Titel sind Filmmusik-inspiriert und liefern damit den idealen Soundtrack für Tagträume. Magnum Opus des Albums: das über 16-minütige Song-Monument „Odyssey“.

Gunther Matejka