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12.03. | Kinotipp der Woche

Emma · 12. März

12.03. | Kinotipp der Woche

Emma
Universal, 05. März

Verfilmungen von Jane Austens Roman „Emma“ gab es schon viele, von „Clueless“ bis zu BBC-Serien. Anya Taylor-Joy spielt nun die Titelrolle in einer neuen Kino-Adaption.

EmmaMiss Taylor-Joy, wie gut kannten Sie sich vor „Emma“ mit Jane Austen aus?
Ziemlich gut, würde ich sagen. „Emma“ habe ich das erste Mal gelesen, als ich elf Jahre alt war – und seither noch einige Male wieder. Bei jeder Lektüre entdecke ich wieder neue sprachliche Details, die mich begeistern.

Was gefällt Ihnen noch?
Die Aktualität der Geschichte. Nicht zuletzt durch die Tatsache, dass Emma eigentlich nicht die geringste Lust hat zu heiraten. Sie verkuppelt gerne andere, hat aber selbst ja ein ganz praktisches gesellschaftliches Schlupfloch gefunden, das ihr auch ohne Mann erlaubt, Hausherrin zu sein. Die Mutter lebt nicht mehr, einen Bruder hat sie nicht und der Vater überlässt ihr das Ruder, also kann sie all die Entscheidungen treffen, die um 1800 sonst nur Männer treffen durften. Daraus, dass Frauen damals keine Kontrolle, keinen Besitz und keine Handlungsmacht hatten, macht Austen ja keinen Hehl.

Aber um wirklich feministisch zu sein, geht es dann doch ein bisschen zu sehr ums Heiraten, oder?
Nach heutigen Standards vielleicht, aber an denen sollte man die Frauen des 19. Jahrhunderts nicht messen. Damals gab es schließlich nicht viele Optionen. Man konnte sich, wie Austen selbst, dazu entscheiden, nicht zu heiraten, aber dann war man eben auch einsam. Doch wir Menschen sind ja eher Herdentiere und gesellig. Das ändert sich auch nicht dadurch, dass wir Frauen heutzutage unser eigenes Geld verdienen können. Von daher würde ich schon sagen, dass „Emma“ eine durchaus feministische Geschichte ist. Und darüber hinaus auch Themen wie Vorurteile oder Klassenunterschiede verhandelt.

Sie selbst verdienen seit fünf Jahren definitiv Ihr eigenes Geld, schließlich drehen Sie seit „The Witch“ einen Film nach dem anderen und sind im April auch schon wieder in „Marie Curie“ zu sehen. Was hat sich seit Ihrem Durchbruch geändert?
Tatsächlich hatte ich noch gar keine richtige Zeit, darüber nachzudenken, was in diesen fünf Jahren alles passiert ist. Was ganz gut ist, denn ich bin recht grüblerisch und ängstlich veranlagt. Wenn ich mir zu viel und zu lange über den Kopf über meinen Job zerbrechen würde, käme ich vermutlich aus meinem Schlafzimmer nicht mehr heraus. Stattdessen freue mich also einfach, dass ich mit so tollen Regisseuren und Regisseurinnen spannende Filme drehen darf, denn mir geht es in erster Linie um die Arbeit, nicht um den Ruhm.

Fazit:
US-Regisseurin Autumn de Wilde, bislang bekannt für Fotografien und Musikvideos, bleibt ihrer Vorlage relativ treu. Jane Austens Wortwitz und Klarsicht, ein tolles Ensemble (u.a. mit Bill Nighy & Miranda Hart) sowie Instagram-taugliche Bilder und Ausstattung machen ihre „Emma“-Version zwar nicht unbedingt bahnbrechend aufregend, aber doch vergnüglich.

Bild: © Filmstarts


Patrick Heidmann