11.2. | Buch der Woche: Denis Pfabe • Die Möglichkeit einer Ordnung
Rowohlt Berlin
Wer die Teenagerjahre überlebt hat, heißt es, hat danach für immer genug zu erzählen. Vielleicht ist aber auch das Überleben der Dienstleistungsbranche gemeint, denn so ein richtig akkurates Bild von seinen Mitmenschen bekommt man erst, wenn sie einem einmal impertinent ins Gesicht geblafft oder den Vorgesetzten herbeizitiert haben. »Die Möglichkeit einer Ordnung«, gar einer gesellschaftlichen Ordnung, kann sehr weit hergeholt wirken in diesem Biotop zwischen Gartenabteilung und Holzzuschnitt, wo der Kunde mitnichten König ist, sondern meist nur ein kleiner Diktator auf dem Weg zur Eigenheimverschönerung.
Angeblich hat Denis Pfabe selbst einmal in einem Baumarkt gearbeitet, was den fast schon existenzialistischen Tonfall erklären würde, mit dem er sein Personal durch den Tag begleitet. Ist so eine Halle mit allem, was man braucht, wirklich ein Ort, den man glücklicher verlässt, als man ihn betreten hat? Oder ähnelt der Mikrokosmos zwischen den Regalen nicht eher dem Kaufhaus in »Dawn Of The Dead« und alle Menschen den Zombies darin?
Die Apokalypse im Kapitalismus scheint auf leisen Sohlen zu kommen, nach abgestandenem Kaffee zu riechen und vom Kartellamt genehmigt worden zu sein. Draußen schwebt eine Drohne, die Fusion mit der größeren Kette hinkt, unter den Angestellten entwickeln sich kleine Intrigen. Denis Pfabe findet aus Hundert Grautönen genau den richtigen. Ein Roman, der sich anfühlt wie ein Taxiteller auf einem verregneten Parkplatz in der Vorweihnachtszeit.
Markus Hockenbrink