11.07. | Album der Woche: Kae Tempest • Self Titled
Island / Universal
Foto: Jesse Glazzard
Auf seinem neuen Album „Self Titled“ wirft Rapper, Slam-Poet, Theatermusiker und Autor Kae Tempest Existenzfragen auf. Tempest, der lange weiblich gelesen wurde und sich zuerst 2020 als nicht-binär und seit Anfang des Jahres als Transmann identifiziert, beschäftigt sich auf dem Album viel mit seiner eigenen Identität. So tritt er in „Know Yourself“ zwischen pulsierenden Beats sprichwörtlich in einen Dialog mit seinem jüngeren Ich, indem er sich selbst sampelt. Gewohnt gesellschaftskritisch wird bereits der Opener „I Stand On The Line“, in dem Tempest die Frage: „With all the problems that we have to contend with - /Why are trans bodies always on the agenda?“ stellt. Eine berechtigte Frage, nachdem im April das Supreme Court in Tempests Heimat Großbritannien die Rechte von Transpersonen beschnitten hat. In „Diagnoses“ setzt sich der Musiker mit mentaler Gesundheit auseinander und bringt damit seine Antithese zur Befürchtung, psychischen Erkrankungen würden überdiagnostiziert: „But it's the world that's sick, baby, we're alright / […] I'd be more worried if we weren't disturbed“. Albumproduzent Fraser T. Smith (u.a. Adele und Stormzy) fragte Tempest zu Beginn der Zusammenarbeit, welche Geschichte nur er erzählen könne. Das Ergebnis ist mutig, witzig, aber auch berührend und wirkt wie ein Befreiungsschlag für einen Menschen, der, wie er selbst in einem Video sagte, dank seiner Transition auch endlich außerhalb der Kunst als Einheit aus Körper und Geist existieren kann. Das zwölf Songs umfassende Werk führt einerseits zu den Hip-Hop-Wurzelns Tempests zurück, versteht sich aber gleichzeitig als Hommage an den zeitgenössischen Pop.
Kae Tempest
Self Titled
Island / Universal
4.Juli