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11.01. | Album der Woche

LP • Heart to Mouth

11.01. | Album der Woche - LP • Heart to Mouth

Heart to mouth LP

Heart To Mouth

BMG • 07. Dezember

Die 37-jährige Laura Pergolizzi, kurz LP, hat lange kämpfen müssen, bevor ihren Songs Gehör geschenkt wurde. Ein erstes Album nahm sie schon 2001 auf, lange verdiente LP ihr Geld als Autorin für andere, und erst, als vor zwei Jahren durch Zufall ein griechischer Musikmanager auf ihr Lied „Lost On You“ aufmerksam wurde, läuft es rund für sie. Jetzt veröffentlicht die Künstlerin ihr fünftes Album „Heart To Mouth“.

Bevor Sie selbst erfolgreich wurden, haben Sie Songs unter anderem für die Backstreet Boys und Christina Aguilera geschrieben, Ihre bekannteste Nummer ist „Cheers (Drink To That)“ von Rihanna. Wie komponiert man einen Hit?

Durch Ausdauer und Beharrlichkeit. Wenn du Songwriterin bist, fragt dich niemand, ob du gerade inspiriert bist. Du musst einfach deinen Job erledigen und die Kunden sind meist ungeduldig. Ich kann mich also jederzeit aufraffen und zum Schreiben zwingen. Der Vorteil ist, dass sich dadurch sehr viele Songs ansammeln. Und einige davon sind richtig gut. Aber was letztlich zum Hit wird, kann auch ich nicht vorhersehen.

Ihr Durchbruch gelang vor zwei Jahren mit „Lost On You“. War Ihnen bei diesem Lied klar, dass es ein besonderes ist?

Nein, ich habe das nicht kommen sehen. Übrigens auch meine ehemalige Plattenfirma nicht. Die meinten: „Wir sehen da keine Chancen“, drei Wochen später haben sie mich vor die Tür gesetzt. Ich kann ihnen das nicht mal übelnehmen. So läuft das Geschäft nun mal. Speziell die Arbeit mit fremden Künstlern hat mir eine dicke Hornhaut für die eigene Karriere verschafft, so oft habe ich miterlebt, wie jemand enttäuscht wird. Wirklich schöne Songs bleiben für immer unentdeckt und von ungefähr 90 Prozent aller hoffnungsvollen und talentierten Musiker wird die Welt leider niemals etwas erfahren.

Wie anstrengend waren die letzten zwei Jahre für Sie? Auf dem Cover Ihres neuen Albums sehen Sie ziemlich mitgenommen aus.

Das bin ich auch. Ich denke immer, wenn ich nicht erschöpft bin, dann mache ich irgendwas falsch. Ich bin durch die ganze Welt getourt, das ist langfristig natürlich keine gesunde Lebensweise, aber es war zugleich sehr wundervoll, ständig andere Menschen und neue Kulturen kennenzulernen. Was die Leute eint, ist, dass man sie mit Emotionen in seinen Bann ziehen kann.

Und von denen gibt es jede Menge auf „Heart To Mouth“. Worum geht es in „Recovery“?

Der Song geht dorthin, wo es wehtut. (lacht) Ich habe ihn aus der Perspektive meiner Ex-Freundin geschrieben. Mit der habe ziemlich brüsk Schluss gemacht und wollte danach auch nicht mit ihr befreundet sein. Ich verstand nicht, wie weh ihr das getan hat, bis ich in meiner nächsten Beziehung selbst diejenige war, die verlassen wurde. Im Nachhinein habe ich mich wie ein selbstsüchtiger Arsch gefühlt.

Wie haben Sie das aufgearbeitet, abgesehen von diesem Song?

Nicht besonders gut. Ich habe schnell eine neue Partnerin gefunden, mit der ich immer noch glücklich bin. Sie hat mein Selbstvertrauen wiederhergestellt.

Welche Sorte von Mädchen besingen Sie in „Girls Go Wild“?

Mädchen wie mich. Mädchen, die an die amerikanische Westküste ziehen, um dort ihre Bestimmung oder zumindest ein paar Abenteuer zu finden. „Girls Go Wild“ beschreibt für mich das kalifornische Lebensgefühl. Der leere, oberflächliche Scheiß ist da, wenn du ihn suchst. Aber ich habe in Los Angeles auch wirklich sehr, sehr gute Freunde gefunden.

Sie haben als Sängerin in New Yorker Kneipen mit Led-Zeppelin-Songs angefangen. Heute sind Ihre Lieder deutlich gefälliger. Hat Los Angeles Sie weichgemacht?

Rock ist nicht mehr so gefragt. Das muss ich akzeptieren und mich darauf einstellen, wenn ich von meiner Musik leben will. Was L.A. betrifft: Die Stadt ist tatsächlich eine Muse für mich. Sie hat etwas sehr Offenes. In New York wirkt alles so vertikal und einengend. Los Angeles erinnert mich an die endlosen Weiten des Mittleren Westens, wo du an einer Kreuzung stehst und meilenweit gucken kannst. Und das Meer ist immer in der Nähe. In Los Angeles kann ich endlich atmen.

Stücke wie „Dreamer“ erinnern an Fleetwood Mac, deren Sound man ebenfalls mit Kalifornien assoziiert.

Endlich erkennt das mal jemand! (lacht) Sonst werde ich immer mit den Stones und Jeff Buckley verglichen, aber „Rumours“ von Fleetwood Mac ist eines der bedeutsamsten Alben meines Lebens. Ich finde die Band großartig und in der Tat: Neben den Eagles verkörpern sie für mich das sonnengetränkte, coole, entspannte Leben, das ich so lieben gelernt habe. Interview: Steffen Rüth

FAZIT: LPs Spezialität? Emotional heftige Inhalte, verpackt in liebliche, direkte und poppige Melodien. So funktioniert auch „Heart To Mouth“. Das warme „Shaken“ ist ein eiskaltes Eifersuchtsdrama und das sonnige „One Night In The Sun“ beschreibt das finale Aufbäumen einer sterbenden Beziehung. Selten klang Liebeskummer harmonischer.