10.7. | Album der Woche: Jack White • Frozen Charlotte

Third Man Records

10.7. | Album der Woche - Jack White • Frozen Charlotte
Foto: David James Swanson

Jack White hat in seiner Solokarriere immer wieder neue Abzweigungen genommen – von ausufernden Klangexperimenten bis zu überraschenden Gastauftritten. Mit »No Name« kehrte er vor zwei Jahren jedoch zu jener direkten Gitarrenmusik zurück, die ihn einst berühmt machte. »Frozen Charlotte« führt diesen Weg konsequent fort. Seinen Titel leiht sich das Album von einer viktorianischen Porzellanpuppe, die zwischen Kinderspielzeug und Schauergestalt changiert – ein historisches Motiv, wie es White seit jeher reizt.

Auch musikalisch bleibt er nah an seinen Wurzeln. Blues, Garage-Rock und Psychedelia greifen selbstverständlich ineinander, ohne je in Nostalgie zu erstarren. Diesmal sind es vor allem die Riffs, die den Songs ihre Richtung geben. Die Gitarren stehen nicht bloß im Dienst der Melodien, sondern werden selbst zum erzählerischen Zentrum der Stücke: Sie treiben an, verhaken sich ineinander und lassen immer wieder neue Wendungen entstehen. Orgel, Bass und Schlagzeug schaffen dafür ein Fundament, das präzise genug ist, um die Ausbrüche aufzufangen, aber rau genug, um die Spannung zu erhalten. White bleibt dabei der unverkennbare Mittelpunkt und pendelt mit seiner Stimme zwischen Anfeuerung, Spott und Dringlichkeit.

»Frozen Charlotte« will den Rock nicht neu definieren. Jack White reicht es, ihn mit so viel Spielfreude zu spielen, dass die Frage nach Innovation fast nebensächlich wird.


Jack White - Frozen Charlotte Cover

JACK WHITE
Frozen Charlotte
Third Man Records, 10. Juli

Tim Wetzer


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