1.4. | Hörbuchtipp: Kurt Prödel • Salto

Hörbuch Hamburg

1.4. | Hörbuchtipp - Kurt Prödel • Salto

Kurt Prödel
Salto
gelesen von Lukas von Horbatschewsky
Hörbuch Hamburg • 6 Std. 19 Min.

Hörbarer Herzschlag

Lukas von Horbatschewsky spricht „Salto“ von Kurt Prödel, dessen Hauptfiguren an der Schwelle zum Erwachsenwerden zwischen Orientierungslosigkeit, Freundschaft, Liebe und der Suche nach Identität stehen.

Wie würden Sie die emotionale Entwicklung der Hauptfigur Marko beschreiben?

Ich glaube, Marko steht an einem Punkt, an dem sich viele Gleichaltrige nach ihrem Abschluss wiederfinden: zwischen Kindheit und Erwachsensein. Man hat das Gefühl, jetzt die wichtigsten Entscheidungen des Lebens treffen zu müssen, als wären diese unumkehrbar. Sich von diesem Druck zu lösen und zu erkennen, dass das Leben ohnehin selten nach Plan verläuft, ist für mich ein zentraler Teil seiner emotionalen Reise.

Gab es Momente, in denen Sie besonders stark mit Marko mitgefühlt haben?

Besonders berührt haben mich die lähmenden Momente, in denen er es nicht schafft, auf WhatsApp-Nachrichten zu antworten oder sich bei seinen Liebsten zu melden, obwohl er es eigentlich möchte. Dieses Gefühl, Menschen nah sein zu wollen und sie trotzdem nicht an sich heranlassen zu können, fand ich herzzerreißend und sehr nachvollziehbar. Darin habe ich mich als Jugendlicher wiedererkannt.

Welche stimmlichen Mittel nutzen Sie, um innere Monologe und äußere Handlung klar voneinander abzugrenzen?

Für mich liegt das Besondere bei der Arbeit an einem Hörbuch darin, nicht nur Verantwortung für die Hauptfigur zu übernehmen, sondern auch für das gesamte Ensemble, das sie umgibt. In den Dialogen versuche ich, die verschiedenen Figuren nicht nur durch unterschiedliche Stimmfarben, sondern auch durch klare Charakterisierung in ihren Haltungen und Artikulationen unterscheidbar zu machen. Im inneren Monolog hingegen erlaube ich mir, meine eigene Stimme, da, wo sie natürlich sitzt, zu nutzen, und den Zuhörer:innen einen ehrlichen Einblick in die Figur zu bieten.

Prödels Sprache ist rhythmisch, teilweise sprunghaft und sehr modern. Wie stark folgen Sie beim Einsprechen diesem literarischen Beat – und wo setzen Sie eigene Akzente?

Als Sprecher versuche ich, der Essenz des Buches so gerecht wie möglich zu werden. Gleichzeitig eröffnet das Einsprechen – ähnlich wie eine Verfilmung – eine eigene Interpretationsebene. Durch die Zusammenarbeit von Regie, Tonmeister:innen und Sprecher:innen wird das geschriebene Wort verändert, ergänzt und neu akzentuiert. Ich hoffe, dass das Hörbuch einen hörbaren Herzschlag bekommen hat und immer wieder kleine Erinnerungsmomente entstehen: an Freeway-Cola oder daran, mit dem Papa Döner essen zu gehen.

Was mögen Sie an der Geschichte um Marko und Claire am liebsten?

Kurt Prödel zeigt, wie zwei junge Menschen sich aufrichtig lieben und sich dennoch gegenseitig verletzen können. Dieses Hin und Her, das Aufeinander-Zugehen und Sich-voneinander-Entfernen ist für die beiden genauso verwirrend und frustrierend wie für die Zuhörer:innen.

Wem empfehlen Sie das Hörbuch?

„Salto“ ist super für junge Menschen, die sich gerade in einer ähnlichen Lebensphase befinden wie Marko – und all jene, die gerne nostalgisch an die Zeit zurückdenken, in der noch alles offen war und man nicht wusste, ob einen der nächste Weg auf eine Hausparty in einer Luxusvilla oder nach Hause unter den Weihnachtsbaum führen würde.

Hannah Heubel


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