1.1. | Kinostart der Woche: Der Fremde

1.1. | Kinostart der Woche - Der Fremde
Foto: Carole Bethuel

Der Fremde

Bei der Vielfalt seines bald 30-jährigen Oeuvres wagt sich François Ozon eher selten an große Klassiker. Doch Ausnahmen bestätigen bei dem Franzosen schon immer die Regel, und so hat er nun Albert Camus’ »Der Fremde« adaptiert, eines der Hauptwerke des Existenzialismus. In bestechenden Schwarzweißbildern und mit einem starken Benjamin Voisin in der Titelrolle setzt Ozon die Geschichte des unemotionalen Meursault, der im von Frankreich kolonialisierten Algerien der 1930er Jahre einen Einheimischen umbringt, vergleichsweise werktreu um. Gewisse Freiheiten – nicht zuletzt in der Darstellung der arabischstämmigen Figuren sowie von Meursaults Bekannter Marie (Rebecca Marder) – verleihen dem Blick des Regisseurs einen zeitgemäßeren Anstrich, doch der Versuchung, eine echte Erklärung für das Handeln seines einsamen Antihelden zu liefern, widersteht er glücklicherweise. So atmosphärisch dicht und handwerklich überzeugend war jedenfalls lange kein neuer Ozon.

Der Fremde
2 Std.

Patrick Heidmann


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