Literatur

08.08. | Buch der Woche

Nelson Mandela • Briefe aus dem Gefängnis

08.08. | Buch der Woche - Nelson Mandela • Briefe aus dem Gefängnis

NELSON MANDELA

Briefe aus dem Gefängnis

C.H. Beck • 18. Juli


Unbeugsam

Am 18. Juli wäre Nelson Mandela 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass wurden zahlreiche, bisher unveröffentlichte Briefe des Freiheitskämpfers in einem Band zusammengefasst.

Wie verhält sich ein Mensch, der aufgrund seines Kampfes gegen die Apartheit zu lebenslanger Haft verurteilt wird, dem der Kontakt zu Familie und Freunden untersagt wird und der mit der Perspektive lebt, für immer abgeschieden vom Rest der Welt zu leben? Viele wären ob dieser Aussichtslosigkeit verzweifelt, hätten sich aufgegeben. Nicht so Nelson Rolihlahla Mandela, der „Unruhestifter“, so die sinnhafte Übersetzung des Zweitnamens, den ihm sein Vater gab. Ein Unruhestifter, der sich nicht mit gegebenen Ungerechtigkeiten abfinden kann. Aus den gesammelten Briefen seiner 27-jährigenHaft sprechen eindrucksvoll seine Reflektiertheit, sein Durchhaltevermögen und sein unbedingter Wille, das System zu besiegen. Einen Brief im Monat darf er schreiben, zensiert oder gar abgelehnt von Vorsehern, mehr nicht. Gekonnt setzen die Herausgeber Mandelas Briefe in den Kontext, mit zurückhaltenden ,kurzen Einschüben, die die Regulationen der Kommunikation verdeutlichen und sie zeitlich einordnen. Mandela bleibt stets höflich, wortgewandt und bemüht sich unermüdlich um seinen Abschluss der Rechtswissenschaft. Anhand seiner Briefe lassen sich Schicksalsschläge (beispielsweise der frühe Tod seines Sohnes) nachvollziehen, der harte Kampf um die ihm zustehenden Privilegien, besonders aber seine Kraft, die der Überzeugung erwächst, dass allen Menschen der gleiche Respekt und die gleichen Rechtezustehen. An Aktualität haben seine Schriftstücke nichts eingebüßt, sie stehen exemplarisch für den Kampf gegen Ungerechtigkeit zu jeder Zeit und überall. Mandela kämpft ihn in Wort und Schrift geschickt aus den undurchdringlichen Mauern des Gefängnisses heraus. Mit gestochen scharfer Ausdrucksweiselegt er Sachverhalte dar ,bittet, fordert, sendet Wünsche an Freunde und nimmt so immer wieder auch am gesellschaftlichen Leben teil. Als ausgebildeter Anwalt kennt er die Fallstricke der Justiz, besonders für einen politischen Gefangenen wie ihn. Die Beharrlichkeit, mit der er seine Schriftstücke ausstattete, beeindruckt, zumal er nie wissen konnte, welcher Brief überhaupt abgeschickt wurde. Es sind schließlich die kleinen Siege, die er davonträgt und die den Leser mit ihm mitfiebern lassen. Wer Mandelas authentische Briefe liest, informiert sich nicht nur über eine der wichtigsten Personen der jüngeren Geschichte, sondern tritt ein in eine einseitige Kommunikation, die den Menschen Mandela gleichsam zum Leben erweckt. Ein Mann, der seiner Familie immer wieder versichert, es gehe ihm gut, er sei glücklich, er komme zurecht. Der sie von tiefstem Herzen vermisst und sich um die Zukunft seiner Kindersorgt. Gleichsam ungefiltert erhält der Leser durch seine Briefe einen Einblick in das außergewöhnliche Leben eines Mannes, der die Geschichte veränderte. Von ihm können wir viel lernen: sich treu zu bleiben, für sich und andere einzustehen und niemals unter den Unterdrückern einzuknicken. Mandelas Haltung ist wohl unnachahmbar, die Kraft, die seinen Schriften innewohnt kann aber Inspiration sein und wird sicher noch viele Jahre nachhallen. Marina Mucha


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