05.08. | Buch der Woche: Elena Fischer • Wirf einen Schatten

Diogenes

05.08. | Buch der Woche - Elena Fischer • Wirf einen Schatten

In den Fünfzigerjahren lernt der junge Bauer Joseph die Krankenschwester Lis kennen. Sie heiraten, ziehen auf den Hof und bekommen einen Sohn. Auf den ersten Blick ist es das Leben, das alle von ihnen erwarten. Doch Lis wird in der Enge des Dorfes und der Arbeit auf dem Hof immer unglücklicher. Sie möchte in die Stadt, möchte unter Menschen sein. All das wird in Rückblenden erzählt, denn in der Gegenwart ist Joseph ein zutiefst verzweifelter, einsamer und ratloser Mann. Zum Glück tritt zufällig die junge Birdie in sein Leben, eine junge Frau, die ihre eigenen Probleme mitbringt und ihn von seinen erstmal ablenkt.

Elena Fischer hat vor drei Jahren mit ihrem Roman »Paradise Garden« gezeigt, dass sie Figuren erschaffen kann, die sich beim Lesen sofort tief in die Herzen eingraben. Damals war es die 14-jährige Billie aus der Hochhaussiedlung, diesmal sind es Joseph, Birdie und die Schwägerin Ada. Viele Sätze fassen kurz zusammen, wofür andere mehrere Seiten brauchen, zum Beispiel: »Wann hatte es begonnen, dieses Warten, dieses Sehnen? So oft wurde er nicht, wer er hätte sein können. Er selbst.« Es bleibt das Bangen mit Joseph, der das Herz am rechten Fleck hat und doch so viel falsch macht. Und die Hoffnung, dass er doch noch die große Liebe findet und eine starke Beziehung zu seinem kleinen Sohn aufbauen kann.

»Wirf einen Schatten« ist ein stiller Roman über Menschen, die einander prägen – und darüber, wie schwer es ist, im Leben Spuren zu hinterlassen, ohne dabei Schatten auf andere zu werfen.

Diogenes, 304 Seiten, 25,00 Euro.

Larissa Vassilian


Alle Artikel in Literatur