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03.01. | Kinostart der Woche

Die Frau des Nobelpreisträgers • Colette

03.01.  | Kinostart der Woche - Die Frau des Nobelpreisträgers • Colette

Die Frau des NobelpreisträgersDIE FRAU DES NOBELPREISTRÄGERS

SquareOne Entertainment • 03. Januar

Ohne seine Frau wäre das alles nicht möglich gewesen: Eine Phrase, die sich bei der Verleihung dieses Nobelpreises als bitterer Volltreffer erweist.

Der Morgen, an dem Joseph Castleman (Jonathan Pryce) erfährt, dass er für seine Romane den Nobelpreis für Literatur erhalten wird, verändert alles. Das ist dem nahezu regungslosen Ausdruck im Gesicht seiner Frau Joan (Glenn Close) anzusehen, die am Apparat im Nebenzimmer mithören darf, wie ihr Ehemann die Glückwünsche des schwedischen Akademie-Präsidenten an sie beide entgegennimmt. Es sind nur ihre Augen, die erahnen lassen, dass in ihr gerade etwas zerbricht, das schon lange unter einem dicken Panzer vergraben liegt. Die filmische Adaption des gleichnamigen Meg-Wolitzer-Romans („Die Ehefrau“) durch den schwedischen Regisseur Björn Runge lebt von der brillanten und einnehmenden Präsenz der Hauptdarstellerin Glenn Close, die in der Figur der Ehefrau dieses weltweit als Genie gefeierten Schriftstellers jahrzehntelang die Rolle der „Stütze im Hintergrund“ gespielt hat oder auch die der „Königsmacherin“, wie sie sich selbst bezeichnet. Doch im Moment ihres größten Triumphs wird sie für die Zuschauer zum Symbol der Heuchelei und Respektlosigkeit eines männerdominierten Kulturbetriebs, der sie lediglich als liebende Ehefrau und Mutter akzeptiert. Ihre Haltung verliert sie deswegen keineswegs. „Bitte zeichnen Sie mich nicht als Opfer, ich bin so viel interessanter als das“, lässt sie den aufdringlichen Journalisten und Möchtegern-Biografen ihres Mannes (Christian Slater) wissen, der dem Paar zur Preisverleihung nach Stockholm gefolgt ist und sie – in einer der stärksten Szenen des Films – mit seiner Vermutung konfrontiert, was wirklich hinter dem Erfolgsgeheimnis des gefeierten Preisträgers steckt. In Rückblenden erzählt der Film von dem Verhältnis des ehemaligen Collegeprofessors Joseph zu seiner begabten Literaturstudentin Joan in den späten Fünfzigern, für die er seine Familie verlässt und mit deren Hilfe er schließlich zu einem der wichtigsten Autoren des Jahrhunderts wird. Die Auflösung ist für die Zuschauer weniger überraschend, denn es braucht keinerlei Beweise mehr für das, was ohnehin von Anfang an offensichtlich ist. „Die Frau des Nobelpreisträgers“ ist kein Krimi, sondern ein Gesellschaftsdrama und Porträt einer Frau, deren Lebensentscheidungen symptomatisch sind für ihre Generation und ein patriarchales System, das in einer vermeintlich aufgeklärten und gleichberechtigten westlichen Lebenswelt noch lange nicht überwunden ist. Jens Mayer

FAZIT: Mit Jonathan Pryce und Christian Slater hat „The Wife“ sicherlich exzellente männliche Nebenfiguren zu bieten, aber Glenn Close spielt ihre Kollegen mit wenigen Gesichtsregungen an die Wand. Dies ist einzig und allein ihre Show – eine grandiose Performance, die ihr endlich auch den bislang sechsmal verweigerten Oscar einbringen sollte.


ColetteCOLETTE

DCM • 03. Januar

Keira Knightley im Korsett. Nicht schon wieder. Wobei völlig außer Zweifel steht, dass dieses antiquierte modische Foltergerät ihren zierlichen Körper aufs Feinste kleidet. Es war wohl auch nie die zu enge Schnürung, die ihr die Tränen in die Augen trieb, sondern die darauf zugeschnittenen Drehbücher: ganz vorn mit dabei das Finale von „Stolz und Vorurteil“ und die züchtigen Züchtigungen in der Psychologie-Romanze „Eine dunkle Begierde“. Viel zu leicht vergaß man darüber, dass Knightley ihre Laufbahn als toughe Fußballerin („Kick it like Beckham“) begann und später als serielle Freibeuterin („Pirates of the Caribbean“) den verwegenen Gehrock salonfähig machte. Und nun ist da „Colette“, das Biopic über die erfolgreiche, französische Schriftstellerin des beginnenden 20. Jahrhunderts. Korsettierte Optik trifft auf freidenkenden Geist, was Regisseur Wash Westmoreland („Still Alice“) dazu nutzt, aus Knightley eine Galionsfigur für Lust und Trotz, Polyamorie und Urheberrechtskampf zu machen. Edda Bauer