Yehuda Blum

Yehuda Blum

„Die Bereitschaft zum Kompromiss ist eine Schwäche des Westens.“

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05.07.2006, Hannover. Es ist der Tag nach der deutschen Halbfinalniederlage gegen Italien. Yehuda Blum leidet ein wenig unter der Hitze, kommt im kühlen Foyer aber bei gewichtigen Themen aus Vergangenheit und Gegenwart in einen Redefluss. Er erzählt spannend, provokant und humorvoll.

Herr Blum, Deutschland feiert sich als guten Gastgeber und fröhliche Nation. Von den Autos weht es Schwarz-Rot-Gold, ein aufkeimender Patriotismus ist allgegenwärtig. Wie empfinden Sie das?

Yehuda Blum: Die Fahnen stören mich nicht besonders. Das sind nicht die Hakenkreuzfahnen, an die ich mich erinnere, sondern die der Weimarer Republik, die von den Nazis als Judenrepublik bezeichnet wurde. Was ich aber in den vergangenen Wochen auch erkannt habe: Das was Sie Patriotismus nennen, kann schnell in Richtung eines chauvinistischen aggressiven Nationalismus kippen.

Woran machen Sie das fest?

Oliver Bierhoff, der Manager Ihrer Nationalmannschaft, hat gesagt: „Die Welt hat wieder Angst vor uns.“ Natürlich, er meint den Fußball. Aber eine solche Aussage – egal mit welchem Bezug – irritiert die Welt. Man liest auf der Autobahn die Schilder „Die Welt zu Gast bei Freunden“. Das mag zu Beginn der Weltmeisterschaft so gemeint gewesen sein, aber es ist manchmal umgeschlagen.

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