Yasmine M‘Barek
„Wir alle sind empathische Egoisten.“
Zur Person
Yasmine M‘Barek (geboren 1999) gehört zu den prägenden jungen Stimmen im Politikjournalismus. Sie wurde an der Kölner Journalistenschule ausgebildet und arbeitet als Redakteurin bei der Zeit. Außerdem ist sie Host des Zeit-Podcasts „Ehrlich jetzt?“ und Co-Moderatorin des Podcasts „Apokalypse & Filterkaffee“. 2022 veröffentlichte sie ihr erstes Buch „Radikale Kompromisse“ (Hoffmann & Campe). M’Barek lebt mit ihrem Mann in Köln und pendelt regelmäßig nach Berlin.
7. November 2025, Berlin. Bereits eine Woche vor dem Interviewtermin geht es in der E-Mail-Kommunikation darum, wo das Gespräch mit Yasmine M’Barek stattfinden soll. Die Agentur schreibt: „Es möge gerne ein ästhetischer, cleaner Ort sein, nichts, was allzu sehr Berlin schreit.“ Wohin also? Berlin-Mitte. Irgendwo zwischen den stuckverzierten Altbaufassaden rund um Linien- und Torstraße wird sich sicher ein solcher Ort finden. Am Tag des Interviews scheint die Sonne. Der Himmel ist hellblau. Die Fotos werden draußen gemacht, für das Gespräch geht es in ein etwas zu dunkles Journalistenbüro. Immerhin liegt dort eine Ausgabe des Buchs, um das sich dieses Interview drehen soll. Das Cover von „I feel you“ erstrahlt in zartem Butteryellow – nicht zu beige und nicht zu gelb.
Yasmine M’Barek, im Klappentext Ihres neuen Buches heißt es, der gegenwärtigen Debattenkultur sei die Empathie abhandengekommen. Aber würden nicht die meisten Menschen von sich behaupten, sie seien empathisch?
Die meisten Menschen glauben, Empathie sei eine Eigenschaft, die wir alle besitzen, ähnlich wie wir sauer oder freundlich sein können. Empathie wird auch oft mit Mitgefühl verwechselt. Mitfühlen kann jeder, wir sind emotionale Wesen. Empathisch zu sein bedeutet aber sehr viel differenziertere Arbeit.
Worin unterscheiden sich Mitgefühl und Empathie?
Empathie ist die Fähigkeit, anderen Menschen zuzugestehen, dass sie Gründe haben, warum sie etwas sagen oder fühlen. Mitgefühl dagegen ist eine Form der Solidarisierung aus unserer eigenen Erfahrung heraus: Wir können etwas nachvollziehen, weil wir selbst schon mal in einer ähnlichen Situation waren.