Uschi Glas

Uschi Glas

„Schweigen ist keine Lösung.“

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  • Enno Kapitza
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Zur Person

3. November 2025, München. Wir sind zum Gespräch am Telefon verabredet und eines wird schnell klar: Uschi Glas hat zwei überraschende Lieblingssätze. Der eine lautet: „Solange ich denken kann, bin ich erst mal dagegen.“ Der andere: „Ich fühle mich mein ganzes Leben verantwortlich.“ Seit sechs Jahrzehnten ist Uschi Glas im Geschäft, eine Legende. Das hört sie nicht gern, klingt nach Lebenswerk und Ruhestand. Und das ist das Allerletzte, was sie im Sinn hat. Glas ist eine Kümmerin, engagiert sich mit ihrem Verein brotZeit für hungrige Schulkinder, demonstrierte in München wöchentlich für die Freilassung der israelischen Geiseln, wirbt aktiv für die Osteoporose-Vorsorge und hat mit 81 Jahren nun ihr fünftes Buch veröffentlicht – zusammen mit Charlotte Knobloch. Es geht um Wahrheit, und das ist kein Zufall.

Uschi Glas, Sie sind auf dem Land aufgewachsen. Das klingt idyllisch, war es aber nicht unbedingt. Erzählen Sie ein wenig von Ihrer Kindheit.

Landau ist eine kleine Stadt in Niederbayern und erzkatholisch geprägt. Mein Vater war Franke, ein evangelischer Bayer, und das ging gar nicht. Wir wurden ausgegrenzt, jedenfalls habe ich das schon früh so empfunden.

Wie haben Sie das gespürt?

Evangelische Gläubige hatten zum Beispiel keine eigene Kirche, wir durften immerhin das katholische Gotteshaus mitbenutzen. Ich weiß noch, dass der Küster nach unserem Gottesdienst mit einer Art Weihrauchampel durch die Kirche ging und sie quasi ausgeräuchert hat, als wären wir Teufel. Das war aber nicht alles. Ich sah auch nicht aus wie die anderen, ich hatte einfach einen dunklen Teint und schwarze Locken und wurde deswegen böse verunglimpft.

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