Uschi Glas
„Schweigen ist keine Lösung.“
Zur Person
Uschi Glas (geboren am 2. März 1944 in Landau an der Isar) wächst im ländlich-katholischen Niederbayern als jüngstes von vier Geschwistern auf. Nach der Mittleren Reife arbeitet sie als Buchhalterin und Sekretärin, geht nach München. Ihre erste Rolle spielt sie im Edgar-Wallace-Film „Der unheimliche Mönch“. Der Durchbruch gelingt ihr 1966 in „Winnetou und das Halbblut Apanatschi“, zwei Jahre später wird sie mit der Hauptrolle in der ikonischen Filmkomödie „Zur Sache, Schätzchen“ zum Kultstar und ist seither aus der deutschen Film- und Fernsehlandschaft nicht mehr wegzudenken. Neben dem Schauspielberuf pflegt Glas einige soziale Engagements: 2009 gründet sie den Verein brotZeit, der jeden Morgen mehr als 21.000 sozial benachteiligte Kinder bundesweit mit einem Frühstück versorgt. In diesem Jahr wurde sie dafür mit dem Hans-Rosenthal-Preis ausgezeichnet. Sie ist Schirmherrin der Deutschen Stiftung Patientenschutz. Im Rahmen einer Aufklärungskampagne des „Deutschen Orthopäden-und Unfallchirurgen-Verbands“ (DOUV) wirbt sie außerdem aktiv als Botschafterin für die Osteoporose-Vorsorge. Seit mehr als 30 Jahren lässt Glas regelmäßig ihre Knochendichte messen, denn mit zunehmendem Alter steigt das Risiko für die Skeletterkrankung, insbesondere für Frauen ab der Menopause. 80 Prozent der geschätzten sechs bis acht Millionen Betroffenen in Deutschland sind weiblich. „Wenn man Osteoporose hat, lässt sich das heutzutage gut behandeln, viele aber wissen gar nicht, dass sie betroffen sind“, sagt die Schauspielerin und rät dringend zu vorsorgenden Untersuchungen sowie ausreichender Bewegung. Seit 2005 ist sie in zweiter Ehe mit dem Unternehmensberater Dieter Hermann verheiratet, mit dem sie in München lebt. Uschi Glas hat drei Kinder aus erster Ehe mit dem Filmproduzenten Bernd Tewaag und ist vierfache Großmutter.
3. November 2025, München. Wir sind zum Gespräch am Telefon verabredet und eines wird schnell klar: Uschi Glas hat zwei überraschende Lieblingssätze. Der eine lautet: „Solange ich denken kann, bin ich erst mal dagegen.“ Der andere: „Ich fühle mich mein ganzes Leben verantwortlich.“ Seit sechs Jahrzehnten ist Uschi Glas im Geschäft, eine Legende. Das hört sie nicht gern, klingt nach Lebenswerk und Ruhestand. Und das ist das Allerletzte, was sie im Sinn hat. Glas ist eine Kümmerin, engagiert sich mit ihrem Verein brotZeit für hungrige Schulkinder, demonstrierte in München wöchentlich für die Freilassung der israelischen Geiseln, wirbt aktiv für die Osteoporose-Vorsorge und hat mit 81 Jahren nun ihr fünftes Buch veröffentlicht – zusammen mit Charlotte Knobloch. Es geht um Wahrheit, und das ist kein Zufall.
Uschi Glas, Sie sind auf dem Land aufgewachsen. Das klingt idyllisch, war es aber nicht unbedingt. Erzählen Sie ein wenig von Ihrer Kindheit.
Landau ist eine kleine Stadt in Niederbayern und erzkatholisch geprägt. Mein Vater war Franke, ein evangelischer Bayer, und das ging gar nicht. Wir wurden ausgegrenzt, jedenfalls habe ich das schon früh so empfunden.
Wie haben Sie das gespürt?
Evangelische Gläubige hatten zum Beispiel keine eigene Kirche, wir durften immerhin das katholische Gotteshaus mitbenutzen. Ich weiß noch, dass der Küster nach unserem Gottesdienst mit einer Art Weihrauchampel durch die Kirche ging und sie quasi ausgeräuchert hat, als wären wir Teufel. Das war aber nicht alles. Ich sah auch nicht aus wie die anderen, ich hatte einfach einen dunklen Teint und schwarze Locken und wurde deswegen böse verunglimpft.