Ursula Münch

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„Was die Deutschen wollen? Maß und Mitte.“

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Zur Person

12. Juli 2021, Tutzing. Ursula Münch sitzt in ihrem Büro mit Blick auf den Starnberger See. In Tutzing, knapp eine Autostunde südlich von München, leitet die Professorin für Politikwissenschaften seit zehn Jahren die Akademie für Politische Bildung. Wir sprechen mit ihr über die kommende Bundestagswahl: Wie stabil ist unsere Demokratie – gerade in Krisenzeiten? Warum fühlen sich so viele Menschen abgehängt und nicht gehört? Und was lässt sich dagegen tun? Für das Telefonat nimmt sich Ursula Münch fast zweieinhalb Stunden Zeit.

Ursula Münch, am 26. September wird in Deutschland ein neuer Bundestag gewählt. Damit endet die 16-jährige Amtszeit von Angela Merkel. Immer wieder war zu lesen, mit ihrem Regierungsstil habe die Kanzlerin die Gesellschaft entpolitisiert. Aber wird nicht seit ein paar Jahren so viel gestritten wie lange nicht?

Beides trifft zu. Es gab eine Entpolitisierung des Parteienwettbewerbs. Vielleicht sogar als Reaktion darauf setzten eine stärkere Politisierung und auch eine Polarisierung in der Gesellschaft ein.

Wieso hat sich der Parteienwettbewerb denn entpolitisiert?

Während die traditionelle CDU-Klientel in gewissen Teilen ganz einfach weggestorben ist, um es so salopp zu sagen, haben sich die Lebensentwürfe pluralisiert. Die Gesellschaft ist in Folge von Emanzipationsprozessen insgesamt liberaler geworden. Angela Merkel hat daraus die Schlussfolgerung gezogen, dass sie keine Mehrheiten mehr bekommt, wenn sie nur auf klassische Unionswählerwähler setzt. Also hat sie die eigene Partei und deren Themen modernisiert. Das hat auch bedeutet, sich stärker in der Mitte und links der Mitte und nicht mehr nur rechts der Mitte zu verorten. Das war diese viel beschriebene Sozialdemokratisierung der CDU.

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