Ulli Lust

Ulli Lust

„In der Kunst geht es immer darum, dass man in den Abgrund schaut.“

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Zur Person

Ulrike Lust ist am 31. August 1967 in Wien geboren und auf dem Dorf aufgewachsen. Die Lehre zur Modezeichnerin brach sie ab und arbeitete stattdessen als Kinderbuchillustratorin. Nachdem sie an der Wiener Kunsthochschule abgelehnt wurde, begann sie mit Anfang 30 ein Studium an der Kunsthochschule in Berlin und fand in dem Format der Graphic Novel ihre gestalterische Heimat. Mit ihrem autobiografischen Comic-Roman „Heute ist der letzte Tag vom Rest deines Lebens“, an dem sie fünf Jahre lang arbeitete, gewann sie – auch international – mehrere Preise. Ihre Graphic Novel „Die Frau als Mensch“ wurde 2025 als erster Comic überhaupt mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet. Ulli Lust lebt in Berlin, hat einen erwachsenen Sohn und lehrt neben ihrer Karriere als Comiczeichnerin als Professorin an der Hochschule in Hannover.

21. April 2026, Berlin. Eine etwas müde wirkende Ulli Lust schaltet sich aus ihrer Wohnung in Berlin zu, wo sie sich „ausnahmsweise“ gerade aufhält. Momentan ist sie die meiste Zeit deutschlandweit unterwegs, um ihr neuestes Werk „Die Frau als Mensch – Schamaninnen“ vorzustellen. Der Vorgänger und erste Teil ihrer opulenten Graphic Novel wurde als erster Comic überhaupt mit dem Deutschen Sachbuchpreis ausgezeichnet. Nach einer kurzen Aufwärmzeit ist von Erschöpfung nichts mehr zu spüren. Bei Themen wie der Bedrohung durch Künstliche Intelligenz, ihrer Passion für die Frühgeschichte oder der strukturellen Benachteiligung von Frauen kommt Ulli Lust auf Betriebstemperatur. Und auch bei schwerem Stoff wie einer Vergewaltigung, die sie in ihrer autobiografischen Meisterarbeit thematisierte, gerät die gebürtige Österreicherin nicht ins Stocken, sondern prescht mit analytischer Klarheit vor.

Ulli Lust, gab es in Ihrer Kindheit ein Motiv, das Sie besonders gern zeichneten?

Meine Erinnerungen reichen nur bis zu dem Zeitpunkt, als ich mit etwa acht Jahren bereits in der Schemaphase angekommen war. Da zeichnet man irgendwo etwas ab und wiederholt das immer und immer wieder. Bei mir waren das Modezeichnungen. Tatsächlich wollte ich gerne Modezeichnerin werden und besuchte mit 16 Jahren auch eine entsprechende Schule. Allerdings zeichnet man in den ersten drei Jahren der fünfjährigen Ausbildung ausschließlich Muster. Das war mir zu fad und deswegen brach ich die Schule ab. Ich lernte aber dennoch einige Dinge, die für meine spätere Karriere wichtig waren, wie beispielsweise das Skizzieren.

Wann kamen Sie erstmals mit Comics in Berührung?

Ich wuchs auf dem Dorf auf, wo es nicht besonders viele gab – höchstens lagen bei einer Freundin oder bei der Friseurin mal welche herum. Ich mochte „Bessy“, denn da gab es einen Cowboy, der immer zeichnete. Das ist aber ehrlich gesagt das Einzige, das mir davon in Erinnerung geblieben ist. (lacht) Ich vermute, er erlebte auch Abenteuer. Aber generell beeindruckten mich Comics damals nicht. Ich interessierte mich erst ernsthaft für dieses Genre, als ich mit Anfang 30 die alternativen Comics entdeckte. Meine zeichnerischen Wurzeln liegen in der Welt der Kinderbücher.

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