Suzanna Randall

Suzanna Randall

„Astronauten sind die Popstars der Naturwissenschaften.“

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  • Enno Kapitza
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Zur Person

9. März 2021, München. Die Chancen, Geschichte zu schreiben, stehen 50:50. Aber daran denkt Suzanna Randall nur selten. Die 41 Jahre alte Astrophysikerin wird derzeit als eine von zwei deutschen Frauen zur Astronautin ausgebildet. Wenn alles klappt, wird die Bundesrepublik Ende des Jahres ihre erste Frau ins Weltall schicken. Längst überfällig, meint Randall, und hält mit Kritik an der Europäischen Raumfahrtbehörde ESA nicht hinterm Berg. Die etwas angespannte Phase während des Skype-Gesprächs währt jedoch nur kurz. Zu groß sind ihre Faszination für dieses Abenteuer und die Bereitschaft, Vorbild zu sein für Mädchen und junge Frauen.

Suzanna Randall, was ist Ihre erste Erinnerung an den Weltraum?

Mit Erinnerungen ist das so eine Sache. Wir wissen selten, ob es wirklich unsere Erinnerungen sind oder ob uns bestimmte Ereignisse aus Erzählungen ins Gedächtnis eingepflanzt worden sind. Meine Eltern haben mir erzählt – und ich glaube auch, mich daran zu erinnern –, dass ich als Dreijährige, wenn wir nachts mit dem Auto gefahren sind, immer „Mond, Mond, Mond“ gesagt habe und vom Funkeln und Glitzern der Sterne fasziniert war. Als ich älter wurde, kam dann noch die Faszination für das Unbekannte, für das „Wir kennen das alles nicht“ hinzu.

Und die erste eigene Erinnerung?

Mit neun Jahren sah ich im Kölner Stadtanzeiger ein Schwarz-Weiß-Foto. Die Qualität war so schlecht, dass man kaum erkennen konnte, was dort abgebildet war. Also las ich den Text dazu: Eine sowjetische Raumsonde hatte diese Aufnahme vom Phobos, dem größeren der beiden Marsmonde gemacht. Das fand ich wahnsinnig, denn ich verstand, dass es Dinge gibt, die unfassbar weit weg sind, außerhalb der Erde, außerhalb meiner Vorstellungskraft. Aber es gab diese Raumsonde, die dort hinfliegen konnte. Für meine Eltern war das nur ein schlechtes Foto in der Zeitung, für mich war das der Beginn einer neuen Zeitrechnung.

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