Stefanie Reinsperger
„Ich habe sehr große Lust auf Selbstüberforderung.“
Zur Person
Stefanie Reinsperger, geboren am 30. Januar 1988 in Baden bei Wien, wuchs in London und Belgrad auf und wurde schon mit vier Jahren von ihren Eltern auf Anraten des Kinderarztes in eine Theatergruppe gesteckt. Ihr Schauspielausbildung absolvierte sie am Wiener Max Reinhardt Seminar. Es folgte ein dreijähriges Engagement am Schauspielhaus Düsseldorf, dessen Publikumspreis als beste Nachwuchsschauspielerin sie 2013 gewann. 2014/2015 wechselte sie ans Burgtheater in Wien, seit der Spielzeit 2017/18 ist sie Teil des Berliner Ensembles. In diesen Jahren übernahm sie außerdem bei den Salzburger Festspielen im „Jedermann“ die Rolle der Buhlschaft. Zur Spielzeit 2024/25 kehrte die Österreicherin nach Wien an die „Burg“ zurück, wo sie derzeit unter anderem in Peter Handkes Solo „Selbstbezichtigung“, als „Liliom“ und mit dem Monolog „Elisabeth“ zu sehen ist. 2021 übernahm sie die Rolle der Kommissarin Rosa Herzog im Dortmunder Tatort, den sie nach fünf Jahren und elf Fällen auf eigenen Wunsch verlässt. „Schmerz“, ihre letzte Folge, wird am 20. Februar um 20.15 Uhr in der ARD ausgestrahlt. 2022 erschien ihr erstes Buch „Ganz schön wütend“ (Molden Verlag), in dem sie von ihren privaten und beruflichen Erfahrungen mit Stereotypen und Vorurteilen, von verbalen Übergriffen und Bodyshaming berichtet. Am 14. April startet mit „Vier minus Drei“ die Verfilmung der Bestseller-Autobiografie von Barbara Pachl-Eberhart in den Kinos, in der Stefanie Reinsperger neben Valerie Pachner, Robert Stadlober, Hanno Koffler und Ronald Zehrfeld zu sehen ist.
22. Januar 2026, Wien. „IPAD 3“ erscheint namentlich im Zoom-Fenster. Zu sehen ist eine gut gelaunte Stefanie Reinsperger, die es sich mit ihrem Tablet in ihrer Wohnung gemütlich gemacht hat. Heute ist einer der wenigen freien Tage der Schauspielerin. Acht verschiedene Stücke in zwei Städten spielt sie zurzeit, fast täglich stehen intensive Proben oder Vorstellungen auf dem Programm. Kaum ist die erste Frage gestellt, sprudelt es aus ihr heraus, das Lächeln verschwindet dabei nie so ganz aus dem Gesicht. Es geht um das Hineinspüren in den eigenen Körper und dessen Ausnahmezustände, das Ensemble-Prinzip im Theater und um eine Emotion, die Stefanie Reinsperger besonders am Herzen liegt: die Wut. Wer sie als Kommissarin Rosa Herzog aus dem Dortmunder Tatort kennt, mag überrascht sein, wie gekonnt sie ihren durchaus vorhandenen österreichischen Dialekt in dieser Rolle, in der sie bald zum letzten Mal zu sehen sein wird, zu verbergen weiß.
Stefanie Reinsperger, wo beginnt eine Rolle für Sie: im Kopf, in der Sprache oder im Körper?
Im Herzen. (lacht)
Im Herzen?
Ja, so als Grundgefühl. Ich brauche einen emotionalen, liebevollen Blick auf meine Figur. Auch wenn ich schreckliche Figuren spiele, muss ich mich in irgendwas an ihnen verlieben können. Ich frage mich: Wo spüre ich diese Figur? Ist das eine Figur, die sehr im Kopf ist? Oder ist sie eher im rechten Ellbogen zu Hause oder im Bauch?