Stefan Koldehoff

Stefan Koldehoff

„Wir werden Herrn Gurlitt noch dankbar sein.“

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  • Josy Swafing
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Zur Person

07.04.2014, Berlin, Jüdisches Museum. Während des Interviews bleibt Stefan Koldehoffs Handy eingeschaltet: Die „Tagesthemen“ wollen vielleicht noch anrufen. Am Morgen kam die Meldung über die Nachrichtenagenturen, dass Cornelius Gurlitt seine beschlagnahmte Kunstsammlung von einem Expertenteam überprüfen lässt und in Fällen, in denen sich der Verdacht auf Raubkunst bestätigt, Bilder zurückgeben will. Nach dem spektakulären Kunstfund von Schwabing und den Medienrummel rund um Gurlitt ist das Thema Raubkunst seit Monaten in den Schlagzeilen. Beobachter sprechen gar von einer Wende und hoffen auf eine faire und gerechte Lösung des Problems. Unser Gespräch dreht sich um die Möglichkeiten einer solchen Lösung, das Thema Raubkunst und die verschlungenen Wege, auf denen alte, enteignete Meister heute gehandelt werden.

Herr Koldehoff, haben Sie George Clooneys Film „Monuments Men“ gesehen, in dem es um den groß angelegten Kunstraub der Nazis währen des Zweiten Weltkrieges geht?

Stefan Koldehoff: Nein, ich habe aber das Buch gelesen und fand das schon so kitschig und heldenverehrend und einseitig historisch, dass ich keine Lust auf den Film hatte. Diese „Monuments Men“, also amerikanischen GIs, die während des Zweiten Weltkrieges nach Europa kamen, um hier nach von Nazis geraubter Kunst zu suchen und diese sicherzustellen, haben viel Gutes geleistet, aber alles auszublenden, was die sonst auch gemacht haben, geht nicht.

Nämlich?

Ein Beispiel: Der Quedlinburger Domschatz fand sich erst 1992 in einem Bankschließfach in Texas wieder. Überhaupt taucht mittlerweile viel Beutekunst in den USA auf, weil die damalige Generation jetzt stirbt und die Söhne und Töchter plötzlich Probleme mit dem haben, was Papa so alles geklaut hat, als er in Deutschland war. Dieser Aspekt hätte für mich in die Geschichte mit rein gehört. So sehr ich sein politisches Engagement respektiere, ich halte George Clooney ehrlich gesagt nicht für den richtigen, diesen Stoff zu verfilmen.

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