Sebastian Koch

Sebastian Koch

„Recht zu haben ist vollkommen langweilig.“

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Zur Person

20. August 2018, Berlin. Dass Sebastian Koch in den letzten Tagen zu wenig geschlafen hat, verrät er erst nach dem Gespräch. Warum, bleibt sein Geheimnis. Der Schauspieler würde am liebsten nur über seinen neuen Film sprechen, gibt aber doch Einblicke in sein Denken und Fühlen. Was ihn, wie er später sagt, selbst überrascht. Denn eigentlich gehe es in einem Interview doch darum, „etwas Gehaltvolles“ zu sagen. Koch erzählt, wie es war, in einem Kinderheim aufzuwachsen und weshalb er es langweilig findet, recht zu haben. So bedacht, wie er seine Rollen spielt, wählt er seine Worte. Es scheint, als könnte man ihm beim Ordnen seiner Gedanken zuhören. Schwer vorstellbar, dass er auch mal laut werden kann. Wie neulich nachts in Berlin, als er verhinderte, dass ein Rosenverkäufer weiter attackiert wurde.

Herr Koch, bei der Begrüßung stellten Sie sich, nachdem Sie meinen Namen hörten, mit Sebastian Andreas Koch vor. Nicht mal bei Wikipedia taucht Ihr zweiter Vorname auf.

Wenn es nach meiner Großmutter gegangen wäre, würde ich Andreas heißen. Und einen ordentlichen Beruf hätte ich außerdem. (lacht)

Dass der Enkel Schauspieler ist…

…war ihr nicht seriös genug. Sie hat sich dafür so sehr geniert, dass sie ihr Leben lang nicht darüber gesprochen hat. Meine Großmutter war eine Urprotestantin, der Schauspielerberuf passte nicht in ihr Bild eines ordentlichen Lebens. Natürlich kam vor, dass jemand fragte: „Was macht denn der Bua?“ Sie antwortete dann ausweichend, der sei in Berlin. Und wenn jemand nachhakte: „Und was macht der Bua, dort in Berlin?“, dann murmelte sie unbestimmt, der studiere. Mehr war von ihr nicht zu erfahren. Sie starb in der Zeit, als ich am Schillertheater war und schon einigermaßen etabliert, Ende der 90er-Jahre.

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