Robert Harris
„Alle Politiker sind zum Scheitern verurteilt.“
Zur Person
Robert Dennis Harris wird am 7. März 1957 im englischen Nottingham geboren. Nach einem Studium der englischen Literatur schlägt der Sohn eines Fabrikarbeiters zunächst eine Karriere als Zeitungsjournalist ein und arbeitet unter anderem für den Daily Telegraph und den Observer. 1992 erscheint sein viel beachteter Debütroman „Vaterland“, der im Jahr 1964 spielt und einem alternativen Geschichtsverlauf folgt, in dem Nazi-Deutschland den Zweiten Weltkrieg gewonnen hat. Bis heute hat Harris fünfzehn weitere Bücher geschrieben, die vielfach verfilmt worden sind, „Der Ghostwriter“ und „Intrige“ sogar von Roman Polanski. Regisseur Edward Berger („Im Westen nichts Neues“) verfilmte zuletzt Harris‘ Roman „Konklave“ über die Machtspiele im Vatikan. Der Film ist im November 2024 in den deutschen Kinos gestartet. Robert Harris hat vier Kinder und lebt im südenglischen Berkshire.
17.10.2007, Berlin. Robert Harris hat das Interview kurzerhand vom Hotel in ein Restaurant verlegt. In seinem etwas zu kurzen Cordanzug erinnert der Schriftsteller ein wenig an einen zerstreuten Professor, seine ausgesuchte britische Höflichkeit vertreiben diesen Eindruck jedoch schnell.
Mister Harris, glauben Sie an die bürgerliche Demokratie?
Robert Harris: Ja, wieso?
Sie sind nicht nur Thriller-Autor, sondern haben auch einen Namen als politischer Journalist. Viele Ihrer Kollegen sind nach Jahren im Job äußerst desillusioniert, was ihr Vertrauen in das System angeht. Auch Ihr neuer Roman zeichnet kein besonders schmeichelhaftes Bild der parlamentarischen Ordnung.
Ich halte es mit Churchill: Der sagte, Demokratie sei immerhin das am wenigsten schlechte Modell. Wenn sie versagt, dann ist das kein Fehler des Systems, sondern einer der Bürger. Wir sind es, die Zeitungen kaufen, fernsehen und wählen. Und wenn wir uns nicht einmischen, dann sind wir auch schuld, wenn etwas nicht so läuft, wie es soll.