Rafik Schami

Rafik Schami

„Ich erzähle von Menschen für Menschen.“

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  • Katharina Werle
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Zur Person

Rafik Schami, 1946 in Damaskus unter dem bürgerlichen Namen Suhel Fadél geboren, ist einer der bedeutendsten deutschsprachigen Erzähler der Gegenwart. Seit 1971 lebt er in Deutschland, wo er sein Chemiestudium fortsetzte und promovierte. Um ein Gefühl für die deutsche Sprache zu bekommen, schrieb er Thomas Manns Monumentalwerk „Buddenbrooks“ von Hand ab – komplett. Früh engagierte er sich literarisch und politisch, gründete u.a. die „Südwind“-Gruppe für Migrantenliteratur. Schamis umfangreiches Werk wurde in 35 Sprachen übersetzt und mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Hermann-Hesse-Preis, der Carl-Zuckmayer-Medaille, dem Preis »Gegen Vergessen – Für Demokratie« und dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis. Sein Künstlername bedeutet „Freund aus Damaskus“.

23. April 2026, Mannheim. Trotz freundlichster Frühlingssonne zieht es uns nach drinnen – zu einladend ist die edle Atmosphäre der Bibliothek des Syte Hotels in einer ruhigen Seitenstraße nahe dem Hauptbahnhof. Das modernisierte Speichergebäude ist ein Ort, der Vergangenes bewahrt und zugleich neu erzählt. Zwischen schweren Samtvorhängen in Zypressengrün und Safranorange versinkt man in weichen Ledersesseln, antike Reisetruhen dienen als Beistelltische – keine schlechte Kulisse für Rafik Schami. Wenn der begnadete Geschichtenerzähler, der im Juni 80 Jahre alt wird, erklärt, was der Gebrauch von Adjektiven mit Sonnenlicht zu tun hat und warum er Syrien als verlorene Heimat begreift, tut er dies mit einer solch herzlichen und ansteckenden Erzählfreude, dass man es kaum glauben mag: Nach über 2800 Lesungen nimmt er Abschied von seinen Live-Auftritten.

Rafik Schami, Sie haben in den frühen 1980er-Jahren mit Lesungen begonnen. Wenn Sie diese Zeit mit der heutigen vergleichen: Wie hat sich das Erzählen verändert?

Mein Publikum ist immer größer geworden und das ist natürlich wunderbar. Die Energie, die ich aus einem vollen Saal schöpfe, kitzelt meine Zunge, ich möchte immer mehr erzählen. Mit wachsender Erfahrung bin ich ein guter Erzähler geworden. Ich habe gelernt, die Spannung zu halten, nicht ins Kitschige hineinzurutschen und die Zuhörer nicht zu verschrecken oder zu langweilen.

Hat sich das Zuhören mit der Zeit verändert?

Ja. Etwas, das mich sehr stört, sind Zuhörer, die sich während einer Veranstaltung in der ersten Reihe mit ihrem Handy beschäftigen. Manchmal, wenn ich jemanden beim Scrollen sehe, starre ich diese Person so lange an, bis sie ihr Handy wieder wegsteckt. Das ist tatsächlich anders als früher. Man muss heute stärkere Nerven haben.

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