Philipp Weiss

Philipp Weiss

„Wir agieren permanent in der Fiktion.“

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Zur Person

Philipp Weiss ist auf dem Sprung, er recherchiert gerade für sein nächstes Buch. Wie in seinem Debüt „Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen“ will er von der Verwandlung der Welt durch die Menschen erzählen – jetzt von Globalität. Dafür reist der Wiener Autor bis Ende des Jahres: mit dem Zug nach Frankreich, von einem Containerhafen aus mit einem Frachtschiff über den Atlantik, auf eine Karibikinsel und weiter nach Peru, dann mit Bussen in die bedrohten Amazonaswälder und in die trockene Atacama-Wüste in Chile, wo er zwei der weltweit größten Minen besucht. Vor dem Aufbruch findet er noch Zeit für ein Gespräch: über Mensch-Natur-Symbiosen und andere Utopien, Schreiben in der Umweltkrise, Reisen ohne Flugzeug und den geplatzten Klimagipfel.

Herr Weiss, die Rolle des Menschen auf dem Planeten ist ein Thema, das Sie wiederholt beschäftigt. Es geht darum in Ihrem Buch „Am Weltenrand sitzen die Menschen und lachen“ und auch in Ihrem neuen Theaterstück „Der letzte Mensch“.

Im Roman gehe ich der Frage nach, wie es zu der technischen Membran gekommen ist, die sich um unseren Planeten legt, und wie es um den technischen Weltzustand steht. Das Stück wirft daraus folgend die Frage auf, was das für unsere Zukunft bedeutet: Wie geht es von hier aus weiter? Anhand meiner Hauptfigur Liv van der Meer, die 2019 geboren wird, erzähle ich drei Zukunftsszenarien des 21. Jahrhunderts. Wie entwickelt sich ihr Leben in völlig verschiedenen Welten? Einmal kommt es zum Kollaps, einmal zur technologischen Transformation alles Menschlichen und einmal frage ich nach der Utopie. Im Kollaps-Szenario treibt Liv auf einer Müllinsel auf dem Nordpolarmeer unter der Mitternachtssonne. Im technologischen Transformationsszenario driftet sie durchs All. Im Utopie-Szenario ist sie eine Chimäre aus Mensch, Maschine, Koralle und Oktopus und treibt in der Tiefsee auf dem Meeresgrund.

In der Aufhebung der Gegensätze zwischen Mensch, Maschine, Natur liegt für Sie die Utopie?

Tatsächlich liegt das Utopische in der Möglichkeit der Symbiose, der Möglichkeit eines anderen Naturverhältnisses. Die Natur – so wie ich es auch im Roman erzählt habe – gilt hingegen unserer westlichen Zivilisation als eine bloße Ressource, die man endlos ausbeuten kann. Und als Deponie für unsere Zivilisationsreste.

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