Philipp Ruch

Philipp Ruch

„Ich will keinen Kompromiss zwischen Artikel 1 und einem Rassisten.“

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Zur Person

11. September 2019, Berlin. Philipp Ruch, Kopf der Künstlergruppe „Zentrum für politische Schönheit“ (ZPS), hat sich auf einer Bank im Garten des Maxim Gorki Theaters niedergelassen. Seit Jahren polarisiert das ZPS mit seinen Aktionen für Geflüchtete und gegen Rechts. Ruch und seine Mitstreiter, die sich den „aggressiven Humanismus“ auf die Fahne geschrieben haben, sind Widerstand gewohnt. Entsprechend entspannt, charmant, aber in der Sache kompromisslos wirkt Ruch im langen Gespräch.

Herr Ruch, ereignet sich Geschichte immer mit Ansage?

Nein, oft geräuschlos. Das ist vielleicht auch unser gegenwärtiges Problem. Wir haben es versäumt, rechtzeitig rote Linien zu ziehen, die wir im politischen Diskurs nicht überschreiten dürfen. Wir werden nur aus der historischen Rückschau, in 20 Jahren vielleicht, feststellen können, ob es heute schon zu spät war oder nicht.

Als eins Ihrer Vorbilder bezeichnen Sie den jüdisch-amerikanischen Aktivisten Peter Bergson …

… ein großartiger Mann! Einer, der Öffentlichkeit geschaffen hat, mitten im Holocaust. Schon 1940 schmiedete er Pläne, den jüdischen Widerstand in Europa zu bewaffnen, merkte aber, dass er damit im friedliebenden Amerika nicht gut ankam. Nur wenig später, als das „Massaker an den Juden“ begonnen hat, wie es damals hieß, schaltete er großformatige Anzeigen in der New York Times. In denen stand, was alle erst später erfahren haben wollen: Sechs Millionen Juden werden gerade in Europa niedergemetzelt. Er engagierte den wichtigsten Drehbuchautor Hollywoods, Ben Hecht, der „Vom Winde verweht“ geschrieben hat, er nutzte das volle kreative Potenzial, um seine Botschaft in die Gesellschaft zu tragen. Trotzdem konnte sich der Holocaust ereignen.

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