
Peter Sloterdijk
„Der Mensch ist ein einziges Wiederholungsprogramm.“
Zur Person
Peter Sloterdijk (geboren am 26. Juni 1947 in Karlsruhe) hatte keinen leichten Start; auf eine komplizierte Geburt folgte eine schwere Gelbsucht. Die Ehe seiner Eltern hielt nicht lange. Von 1968 bis 1974 studierte er in München und an der Universität Hamburg Philosophie, Geschichte und Germanistik, 1976 promovierte er. Ende der 70er zog es ihn nach Indien, wo er Erfahrungen machte, die ihn nachhaltig prägten. Seine Publikationen lösten oft kontroverse Debatten aus und landen regelmäßig in den Bestsellerlisten. Für besondere Furore sorgte „Kritik der zynischen Vernunft“ – das 1983 veröffentlichte Werk zählt zu den meistverkauften philosophischen Büchern des 20. Jahrhunderts. Von 2001 bis 2017 war Sloterdijk Rektor der Staatlichen Hochschule für Gestaltung in Karlsruhe. Mit Rüdiger Safranski moderierte er ab 2002 das Philosophische Quartett im ZDF, das nach zehn Jahren eingestellt wurde. Seit 2017 ist er mit der Hamburger Journalistin Beatrice Kolster verheiratet. Gemeinsam mit Ridgeback-Hündin Jule lebt das Paar in Berlin und in der französischen Provence.
13. Juli 2022, Berlin. Nein, das sieht nicht nach einem philosophischen Elfenbeinturm aus. Peter Sloterdijk wohnt zwar in einer malerischen Seitenstraße, aber die großzügige Wohnung befindet sich in einem modernen, eher nüchtern wirkenden Gebäude. Hündin Jule tapst behäbig zur Begrüßung entgegen, es folgt Beatrice Sloterdijk, die für ihren Mann alle Termine organisiert. Genau wie jüngst alle Feiern rund um seinen 75. Geburtstag. „I don´t need Google, I have a wife“ ist auf einer Metalltafel zu lesen – kein Wunder. Der Philosoph wirkt erschöpft, als er sich auf seinen Lieblingsplatz im Wintergarten setzt. Man solle sich darauf einstellen, dass er nicht mehr als dreißig Minuten reden könne. Schließlich werden es eineinhalb Stunden, in denen Sloterdijk eine große Flasche Wasser trinkt und sein Unbehagen über die einen Tag zuvor veröffentlichten Bilder des James-Webb-Weltraumteleskops nicht loswerden kann. Er, der sich seit Jahrzehnten fragt, ob wir heimisch werden können in der Welt, ist sich spätestens jetzt sicher: Wir können es nicht.
Peter Sloterdijk, hierzulande gehören Sie zu den bekanntesten Philosophen. Doch wie in Ihren Notizheften „Zeilen und Tage“ zu lesen ist, hielt man Sie auch schon mal für einen Busfahrer. Was hatte es mit dieser Verwechslung auf sich?
Man suchte nach dem Chauffeur für den Omnibus einer Reisegruppe – das war in einer Hotellobby in Interlaken in der Schweiz. Ich ging inmitten der Gesellschaft aus älteren Leuten, die zu einem Event gebracht werden sollte, auf und ab und der Concierge, der den Busfahrer nicht kannte, sprach mich hilflos an und fragte, ob ich derjenige sei. Mich hat das amüsiert.
Können Sie nur der geworden sein, der Sie geworden sind? Oder anders gefragt, hätte es für Sie auch einen anderen Lauf nehmen können?
Ich beteilige mich nicht an Spekulationen solcher Art.