Olga Schakina

Olga Schakina

„Es wird sich nichts verändern, ohne dass Russland vorher den Untergang erleben wird.“

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Zur Person

28.03.2014, Berlin, abends, viertel nach Acht. Gleis 14 im Hauptbahnhof ist beinahe leer. Die russische Journalistin Olga Schakina steigt aus dem Zug, mit dem sie aus Warschau kommt, und führt uns zielstrebig zu einem asiatischen Restaurant im Erdgeschoss des Bahnhofs. Am nächsten Tag geht es weiter nach Brügge. Etwas gehetzt sagt sie: „I have overscheduled myself.“ Das Interview möchte sie aber auf Russisch geben. Ein Gespräch über die Perspektivlosigkeit freier Medien und Schakinas düstere Aussicht, dass die russische Gesellschaft erst den Untergang erleben muss, um dann wieder auferstehen zu können.

Frau Schakina, bis vor einem Jahr haben Sie in Moskau als Moderatorin für den oppositionellen TV-Kanal Doschd gearbeitet. Warum haben Sie Doschd verlassen und sind nach Warschau gegangen?

Olga Schakina: Ich würde es anders formulieren: Eigentlich habe ich nicht Doschd, sondern ich habe Russland verlassen. Und die Konsequenz ist logisch: Wenn du in einem anderen Land bist, kannst du auch keinen Livestream aus Russland mehr machen.

Was war der Auslöser?

Vor etwa einem Jahr habe ich gemerkt, dass es für oppositionelle Journalisten immer schwieriger wird, an Informationen zu kommen. Für mich war irgendwann klar, dass es für Leute mit meinem Beruf in Russland keine Zukunft mehr gibt. Ehrlich gesagt habe ich immer damit gerechnet, dass der Moment kommen würde, an dem es so weit sein würde.

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