Norbert Blüm

Norbert Blüm

„Ich kenne niemanden, der ein langweiliges Leben hat.“

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Zur Person

19.04.2016, Bonn. Es gibt Menschen, von denen man schon als Kind ein Rollenbild hatte. Norbert Blüm etwa, der kleine Mann mit den gutmütigen Augen, der immer freundlich wirkt, außer wenn er sich über Unrecht aufregt. Irgendwo zwischen Meister Eder und Peter Lustig, großväterlich und eine liebenswerte Autorität. Bis heute. Zugleich weiß man natürlich, dass ein Mann, der sich 16 Jahre unter Helmut Kohl als Minister und „soziales Gewissen“ der CDU behauptete, nicht ausschließlich lustig und lieb sein kann. Im Gespräch wird klar: Blüm ist in der Tat sehr nett, aber kein harmloser Bauwagen-Peter. Geht es um Rente und Flüchtlinge, wird Blüm wütend und ein wenig sarkastisch, im nächsten Augenblick berichtet er im fröhlich-rheinischen Singsang von seinem Besuch in der „Muggibude“.

Herr Blüm, ich fürchte, die Rente ist nicht sicher.

Das fürchten Sie zu Recht, aber das liegt daran, dass das bewährte System, das ich immer verteidigt habe, ramponiert wurde, indem man Teile davon dem Finanzmarkt überließ. Und der ist in der Tat sehr unzuverlässig, jedenfalls unzuverlässiger als die Arbeit und die Wertschöpfung.

Erklären Sie für einen Unbedarften, was an Ihrem Rentensystem anders war?

Das System, das ich verteidige und das alle Wirren, Katastrophen und Kriege überstanden hat, knüpft an die Arbeit an und basiert auf der Umlage. Die heutige Riester-Rente dagegen hat ihr Fundament in der Kapitaldeckung und knüpft an die Finanzbewegungen an, die die Erde umkreisen und sie ins Chaos stürzen. Wer das nicht wusste, der muss es jetzt gelernt haben, oder er saß in den letzten zehn Jahren ohne Handy auf einem einsamen Eisberg.

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