Nora Bossong

Nora Bossong

„Ich habe viele nackte Menschen gesehen, und die meisten haben nicht nur Volleyball gespielt.“

Fotos:
  • Nico Wöhrle
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Zur Person

05.05.2017, Berlin. Vom schmuddeligen Ende her schlendert Nora Bossong die Berliner Kurfürstenstraße hinauf. Den Straßenstrich zwischen Möbel Hübner und Getränke Hoffmann hat sie hinter sich gelassen, auch die Baustelle für eine Luxus-Shoppingmall, ab hier beginnt der noble Teil der Kurfürstenstraße. Nun steht sie vor dem Stammhaus des Cafés Einstein, wo wir in der Bar verabredet sind. In der unteren Etage verputzt Berlins Polit- und Schauspielprominenz steirisches Backhendl und frische Maischolle, oben redet die Schriftstellerin über die beklemmende Atmosphäre in Sexkinos, die Faszination von Swingerclubs mit Badelatschen und Nudelsalat und nicht zuletzt die Auswirkungen der Recherche im Rotlichtmilieu auf ihre eigene Lust.

Frau Bossong, Sie waren für Ihren Reportageband „Rotlicht“ intensiv in eben diesem Milieu unterwegs. Können Sie mir nach Ihren Recherchen noch unvoreingenommen begegnen oder sind Sie innerlich schon die Möglichkeiten durchgegangen, ob ich ein Tantra-, Swinger- oder Bordelltyp bin?

(lacht) Nein, darüber habe ich mir noch keine Gedanken gemacht. Aber jetzt, da Sie fragen, wird mich die Frage die ganze Zeit beschäftigen. Ich sage Ihnen am Ende des Gesprächs, welcher Typ Sie sind, okay?

Gut, darauf komme ich zurück. Hat sich denn generell Ihr Blick auf Männer verändert?

Ich habe Männern gegenüber nicht grundsätzlich mehr Vorbehalte. Es gab allerdings einige Reaktionen und Verhaltensweisen von Männern, die jenseits von Gut und Böse waren. Ich kann beispielsweise nicht nachvollziehen, wie jemand, der von Frauen Sex und Intimität kauft, so menschenverachtend über diese Frauen sprechen kann, wie ich es erlebt habe.

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