Nina Hagen
„Wir brauchen uns hier unten alle.“
Zur Person
Nina Hagen wurde 1955 als Tochter der Schauspielerin Eva-Maria Hagen und des Drehbuchautors Hans Hagen in Ostberlin geboren. Schnell entwickelte sie ihr unterhaltsames Talent und wurde schon mit 16 Jahren Mitglied in der Gruppe des bekannten Musikers Reinhard Lakomy. Nach der Ausbürgerung des Liedermachers Wolf Biermann (Ninas Ziehvater) 1976 aus der DDR ging Nina Hagen selbst in den Westen, wo sie schnell als schrille Diva zur feministischen Rockikone und Godmother of Punk im Deutschen avancierte. Ein Weltstar, der zeitweise in den USA lebte und bei »Rock in Rio« vor 300.000 Menschen auftrat. Für Aufsehen sorgte sie nicht nur durch ihre Musik, sondern auch durch Medienauftritte, die von Normalbürgern als obszön empfunden wurden. Hagen versteht sich als sehr gläubige Christin und engagiert sich seit Jahren für diverse Hilfsprojekte. Sie hat eine Tochter, die Schauspielerin Cosma Shiva Hagen, und einen Sohn, Schauspieler, DJ und Graphic Artist Otis Hagen Chevalier.
11. Februar 2026, Hamburg. Der große Schöpfer ist omnipräsent in Nina Hagens Gedankenwelt – und das nicht nur weil sie mit »Highway to Heaven« nun ein weiteres Album veröffentlicht, auf dem sie legendäre Gospel-Klassiker interpretiert. In bald jeder ihrer Aussagen spürt man ihre Demut und Dankbarkeit vor diesem Gott, der für sie allerdings nichts mit den menschengemachten Doktrinen einer weltlichen Religions-Ausübung zu tun hat. Nur so ist es nachvollziehbar, dass ihr die große Mahalia Jackson per Telefon aus dem Jenseits am Grab von Jim Morrison einbläut, Gospel zu singen, weil ihre Stimme dafür prädestiniert sei. Ja: Zuweilen wirken Nina Hagens Antworten nicht wie von dieser Welt. Aber inspirierend und anregend ist ihr Blick auf das Leben jederzeit – selbst für Atheisten, Agnostiker und anderweitig »Ungläubige«.
Nina Hagen, Sie haben nach „Personal Jesus“ vor 15 Jahren mit „Highway to Heaven“ nun erneut ein Gospel-Album aufgenommen. Wo liegt der Unterschied?
Auf dem neuen Album zelebriere ich wieder traditionellen Gospel. Vor 15 Jahren wollte ich die Leute mit der Idee meiner freiheitlichen Liebe, die aus dem Gospel entsteht, aber noch nicht so schockieren. Ich denke, ein großer Unterschied ist wohl, dass wir jetzt auch mal einen Reggae-Sound dabeihaben oder auch mal ganz rockige, wilde Gitarren-Fetz-Elemente sowie funkige oder punkige oder auch mal humorvolle wie bei „Alle wollen in den Himmel“.
Was meinen Sie mit Ihrer Idee von der freiheitlichen Liebe?
Dass mein Schöpfer, unser aller Schöpfer, bereits mein ganzes Leben lang meine künstlerische und persönliche Freiheit sowie die Daseinsfreude, die sich daraus ergibt, definiert. Daher ist es eine Weiterentwicklung, dass ich mich jetzt auch traue, in meinen Lobpreisliedern den lieben Gott auch so zu verstehen, dass er uns den Humor und die Daseinsfreude als Geschenk mit in die Seele gelegt hat, in unser Seelenkostüm.