Nathalie Weidenfeld & Julian Nida-Rümelin

Nathalie Weidenfeld & Julian Nida-Rümelin

„Wir sind gemacht für die Kooperation.“

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  • Enno Kapitza
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Zur Person

14. März 2022, München. Gibt es inmitten der weltweiten Wirren und aggressiven Debatten überhaupt noch Ruheoasen? Ja, es gibt sie. Eine davon: ein Gespräch mit Nathalie NW und Julian Nida-Rümelin. Beide verstehen sich als Humanisten – und mit jeder Minute ist zu spüren, dass sie leben, wovon sie reden. Wie üblich ist das Ehepaar um halb sieben aufgestanden, die Kinder mussten zur Schule. Die Frühlingssonne scheint auf die Terrasse eines Schwabinger Cafés, das die beiden für das Interview gewählt haben, das Siegestor ist nur wenige Meter entfernt. Verabredet ist, dass auf unsere Fragen immer die- oder derjenige antwortet, die oder der gerade den Impuls dazu hat. Die Gedanken darüber, wie ein humanes Miteinander funktionieren kann, nehmen ihren Lauf, führen zurück bis zum Philosophen Platon und seinen Vorstellungen davon, was das Erotische sei. Auch die „Chippendales“ tauchen auf. Denn, so das Autorenpaar, Strippen ist gut für die Selbstachtung.

Wann haben Sie zuletzt ein Kompliment erhalten?

Nathalie Weidenfeld: Von meinem Mann bekomme ich viele Komplimente, aber sonst immer seltener. Was wohl vielen Frauen so gehen dürfte, denn wir leben in Zeiten, in denen jedes Kompliment falsch verstanden und als Erniedrigung ausgelegt werden kann. Daher trauen sich immer weniger Männer, Frauen etwas Charmantes zu sagen. Das ist sehr schade. Ich bin sehr für Komplimente. Immer her damit!

Kennen Sie es denn auch, dass Komplimente Ihnen unangenehm wurden?

NW: Wenn ich an die Pfeifkonzerte zurückdenke, die ich als 15-Jährige in Italien ausgelöst habe, ja, das war schon ein bisschen heftig. Es ist immer auch eine graduelle Frage. Und mitunter altersabhängig.

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