Michel Faber
„Menschen sind nun wirklich sehr leicht zu hassen.“
Zur Person
Michel Faber (geboren am 13. April 1960 in Den Haag in den Niederlanden) wuchs als Kind isoliert in Australien auf. Er ist Autor von sieben Romanen, die in vielen Genres unterwegs sind, darunter „Die Weltenwanderin“ (verfilmt unter dem Titel „Under the Skin“) sowie „Das karmesinrote Blütenblatt“. Sein Roman „Das Buch der seltsamen neuen Dinge“ entwickelte sich zu einem internationalen Bestseller. 2016 veröffentlichte er mit „Undying“ ein Buch mit Gedichten, geschrieben in einer Zeit, als er seine an unheilbarem Krebs erkrankte Frau begleitete. Michel Faber lebt seit vielen Jahren in Großbritannien, erst in Schottland, jetzt zusammen mit seiner Lebenspartnerin in der Grafschaft Kent.
30. März 2025. Michel Faber hat den Abend zuvor bei einem Freund in Düsseldorf verbracht. Dieser bringt ihn nach Köln, wo der Schriftsteller am frühen Abend im Rahmen der lit.COLOGNE sein neues Buch vorstellt. „Hör zu!“ ist seine erste nicht-belletristische Arbeit: ein Sachbuch über Musik. Das nicht vorgibt, welche Musik cool ist und welche nicht, denn mit solchen Kanonisierungen hat Faber ein großes Problem. Das Interview findet in seinem Hotelzimmer statt. Er liegt auf dem Bett, die Füße zugedeckt. Mit dabei: eine blonde Spielzeugpuppe, die er auf dem Weg ins Zimmer im Hotelflur aufstellte und fotografierte.
Michel Faber, erzählen Sie bitte von der Puppe, die Sie gerade für Fotos in Szene gesetzt haben.
Das ist „The Intrepid Blonde“, die „kühne Blonde“, die ich überallhin mitnehme. Vielleicht wird es einmal einen Fotoband über das geben, was sie auf ihren Reisen mit mir erlebt. Bis dahin bleibt sie ein Star bei Instagram, dort kann man sie finden. Ihr Auftrag: versuchen zu verstehen, was in dieser sonderbaren Welt vor sich geht. In dieser Hinsicht ist sie nicht anders, als ich selbst es bin.
Sie sagen, Ihr neues Sachbuch „Hör zu!“ könnte Ihr letztes Buch sein, warum?
Ich glaube nicht, dass ich noch weitere Romane schreiben werde. Große Romane. Was das betrifft, habe ich mit meinen sechs Büchern alles erzählt, was ich zu erzählen habe. 2020 habe ich dann – auch für mich unerwartet – einen Roman für Kinder geschrieben. Ich glaube aber auch nicht, dass ich weitere Kinderbücher schreiben werde. Ich bin stolz auf dieses Buch, so ist es nicht. Aber ich muss nicht noch eines dieser Art schreiben. Das gilt auch für einen weiteren Lyrikband mit Gedichten über den Krebstod meiner Partnerin. Ich hoffe einfach, dass meine jetzige Freundin nicht ebenfalls an Krebs sterben wird. Außerdem sehe ich mich nicht als Poet.