Michael Caine

Michael Caine

„Wodka war der richtige Stoff.“

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Zur Person

31.08.2014, München. Wenn es Schauspieler gibt, bei denen Ehrerbietung angebracht ist, dann gehört Michael Caine sicher dazu. Aber der 81-Jährige schafft es, diese Reverenz gleich aufzulösen. Beim ersten Gespräch in einem Münchner Luxushotel trifft er uns schon auf den Gang und macht gleich Smalltalk. Trotz seines legendären Status legt er eine erfrischende Offenheit an den Tag, die schon gar nicht vor der eigenen Person halt macht, egal ob er über die Gründe für seine frühere Alkoholsucht spricht oder seinen Beinahe-Faux-Pas bei der Queen, über die Wirkung eines Millionengehalts oder die Nachteile des U-Bahn-Fahrens.

Mr. Caine, Sie gelten als einer der besten Schauspieler der Welt, haben auch zwei Oscars zu Hause herumstehen. Haben Sie jemals die Lust an Ihrem Job verloren?

Michael Caine: Ja, das war Anfang der 90er. Da musste ich mich daran gewöhnen, dass die Zeit der Heldenrollen für mich vorbei war. Einmal bekam ich ein Drehbuch zugeschickt, und ich antwortete dem Produzenten: „Die Rolle ist mir zu klein.“ Er wiederum schrieb mir: „Du warst nicht für die Rolle des Liebhaber gedacht, sondern für die des Vaters.“ In der Zeit hätte ich fast mit meinem Beruf aufgehört. Aber zum Glück war ich eng mit Jack Nicholson befreundet und er überredete mich, gemeinsam mit ihm in dem Film „Blood and Wine“ zu spielen. Ich hatte eine großartige Zeit mit ihm, selbst wenn der Film ein Misserfolg war. So entdeckte ich mein Herz für meinen Beruf wieder. Drei Jahre später spielte ich in „Gottes Werk und Teufels Beitrag“ und erhielt einen Oscar. Ich bekomme zwar nicht mehr das Mädchen, aber dafür die guten Rollen.

Für deren Interpretation haben Sie längst Kultstatus erlangt. Können Sie Ihr Berufsgeheimnis erklären?

Das ist ganz einfach: Ich werde einfach zu der Person, die ich darstelle, egal wie weit sie von meinem normalen Charakter entfernt ist. Ich vertiefe mich so in sie, dass ich wie sie empfinde. Ich habe keine Kontrolle mehr über meine Mimik, schneide keine bewussten Grimassen. Bevor ich Filmschauspieler wurde, trat ich neun Jahre im Theater auf, da musst du überzeichnen und besonders laut sprechen, schließlich haben die Leute ihr Geld bezahlt, um dich zu hören. Aber beim Film geht es nur darum, natürliches Verhalten zu zeigen. Du hörst zu, reagierst und antwortest, und die Kamera fängt jede kleinste Nuance ein.

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