Michael Braungart

Michael Braungart

„Was wir benötigen, sind positive Ziele.“

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  • Matthias Oertel
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Zur Person

04. Februar 2021, Berlin. Michael Braungart ist Deutschlands Enfant terrible der Umweltwissenschaften. Mit dem von ihm entwickelten Cradle-to-Cradle-Prinzip will der Chemieprofessor eine Welt ohne Gifte und ohne Müll schaffen. Er wähnt sich auf einem guten Weg, doch ist die Mission nicht ohne Mühen. Weil unser Verständnis von Nachhaltigkeit ein völlig falsches ist, wie er sagt. Auf seinem langen Weg als System-Sprenger erhofft sich der 63 Jahre alte Wissenschaftler jetzt Beistand von der selbstverliebten Selfie-Generation. Wobei er sich in ihr wiedererkennt: Eine Spur Narzissmus treibt auch ihn an. Ein Gespräch über falsche Dinge, die gut gemeint sind, und mögliche Lösungen unserer großen Probleme.

Herr Braungart, das Konzept „Cradle to Cradle“ beschreibt den Weg eines Produkts „von der Wiege zur Wiege“. Wie unterscheidet sich dieses Prinzip, für das Sie seit Jahrzehnten kämpfen, vom herkömmlichen Wirtschaften?

Viele Menschen denken, sie schützen die Umwelt, wenn sie damit beginnen, weniger zu zerstören. Mache weniger Müll! Reduziere den Energieverbrauch! Das ist jedoch kein Schutz, das ist nur weniger Zerstörung. Cradle to Cradle hingegen besagt, dass wir Menschen nützlich für die Natur sein wollen – und nicht nur weniger schädlich.

Was ist die Voraussetzung dafür?

Wir erfinden alle Dinge noch einmal neu, sodass sie nach ihrer Nutzung entweder in biologische oder in technische Systeme zurückgehen. Es gibt also keinen Abfall, alles ist Nährstoff. Die Idee dahinter ist, uns Menschen als Chance zu begreifen und nicht weiter als Belastung zu betrachten. Wir würden nicht mehr vermeiden, verzichten, reduzieren, stattdessen würden wir eine Kultur der Großzügigkeit etablieren, in der alle Dinge, die wir verwenden, irgendwann wieder nützlich sein werden.

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