Matthias Isecke-Vogelsang

Matthias Isecke-Vogelsang

„Die jungen Menschen werden nicht schlimmer, sie werden anders.“

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Zur Person

14. November 2018, Süsel. Deutschlands Punk-Schulleiter ist ein Landei. Matthias Isecke-Vogelsang wohnt in Süsel, 5.050 Einwohner, rote Backsteinhäuser, eine Bäckerei, die eine Allee führt nach Eutin, die andere ans Meer. Im Einfamilienhaus stehen Schnittblumen auf dem Tisch, Feuer brennt im Kamin. Matthias Isecke-Vogelsang sieht keinen Widerspruch zwischen Punk-Philosophie und bürgerlichem Leben mit Schulkarriere. Der frisch pensionierte Rektor mit dem lilafarbenen Iro und dem schwarzen „No Capitalism“-Hoodie war bis August Leiter der Gotthard-Kühl-Schule, gelegen in einem sozialen Brennpunkt in Lübeck. Ein Gespräch über den Wandel von Protestkulturen, Rollenbilder und die heimliche Freude, auf einer roten Liste der AfD zu stehen.

Herr Isecke-Vogelsang, stehen Iro-Punks morgens länger im Bad als die meisten anderen?

Überhaupt nicht, weil die Haare längst wissen, wie sie stehen müssen, das muss ich denen nicht mehr erklären.

Sie kommen gerade von einer Asienreise. Ich stelle mir vor, wie dort alle paar Meter jemand ein Selfie mit Ihnen machen möchte. Haben Sie das genossen?

Ich bin als Punk extrovertiert und genieße es generell, im Mittelpunkt zu stehen. Immer wieder kam die Frage, ob der gefärbte Iro echt ist. Es gibt dort viel weniger Punks als hier, davon leben die meisten in Myanmar. Meine Frau und ich waren in Vietnam und Kambodscha, vorher in Nepal, da gibt es praktisch keine. Ein einziges Mal habe ich eine negative Reaktion bekommen, sonst waren die Menschen immer interessiert, auch bei den Kontrollen an der Grenze. Ich kam da besser durch als andere mit Anzug und Krawatte.

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