Markus Gabriel
„Etwas verschwindet, aber etwas anderes tritt an diese Stelle. Fortschritt eben.“
Zur Person
Markus Gabriel, geboren am 6. April 1980 in Remagen, studierte in Hagen, Bonn und Heidelberg und wurde mit nur 29 Jahren zum jüngsten Philosophieprofessor Deutschlands an der Universität Bonn, wo er den Lehrstuhl für Erkenntnistheorie, Philosophie der Neuzeit und der Gegenwart innehat und als Direktor des Internationalen Zentrums für Philosophie sowie des interdisziplinären Center for Science and Thought fungiert. Er hat den »Neuen Realismus « mitbegründet – eine Schule, nach der Dinge zwar existieren, aber nur innerhalb von bestimmten Sinnfeldern. Internationale Bekanntheit erlangte er mit seinem Bestseller »Warum es die Welt nicht gibt«. Der Philosoph setzt sich in seinen zahlreichen Publikationen außerdem intensiv mit Fragen der Künstlichen Intelligenz, Moral und dem »guten Leben« auseinander. Gabriel ist regelmäßiger Gastprofessor an der New School for Social Research in New York City und seit 2024 Senior Global Advisor am Kyoto Institute of Philosophy.
27. Februar 2026, Bonn. Markus Gabriel schaltet sich aus seinem mit Sonnenlicht durchfluteten Büro per Video zu. Der Professor für Erkenntnistheorie will gleich loslegen mit dem Gespräch – keine Zeit für Smalltalk. Zum einen steht im Anschluss noch das Fotoshooting für GALORE an. Zum anderen weiß er natürlich am besten: Es gibt sehr viel zu besprechen. Künstliche Intelligenz ist ein weites Feld, gerade wenn es dabei um »Ethische Intelligenz« geht – das Thema seines neuen Buches, für das der Starphilosoph merklich brennt. Es gibt keine Frage rund um KI, die er nicht mit spürbarer Lust am Für und Wider beantwortet.
Markus Gabriel, wobei hat KI Ihnen zuletzt geholfen?
Zuletzt hat sie mir geholfen, bei der komplexen Analyse einer philosophischen Argumentation meine Gedanken zu strukturieren. Und KI hilft mir jede Woche beim Japanisch-Lernen und beim Lernen von Quantenfeldtheorie. Also bei zwei ziemlich komplizierten Tätigkeiten.
In der aktuellen Science-Fiction-Satire „Good Luck, Have Fun, Don’t Die“ über eine böse Super-KI der Zukunft fällt der schöne Satz: „Fortschritt ist nur Fortschritt, wenn er Dinge besser macht.“ Was macht KI besser?
Alles, was wir Menschen digital gut machen, kann eine KI besser. Aber alles, was wir digital schlecht machen, wird eine KI verschlimmbessern. Deswegen bedeutet sie nicht automatisch Fortschritt, sondern nur dann, wenn sie auch für etwas Fortschrittliches gebraucht wird. KI ist in diesem Sinne erst mal neutral.