Marcel Reif

Marcel Reif

„Sicherheit verbinde ich mit Beziehungen – und nicht mit Orten.“

Fotos:
  • Tanja Kernweiss
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Zur Person

10.01.2017, München. Eine Villa, 105 Jahre alt, am Stadtrand. Schnee und Wintersonne entwerfen ein Idyll. Marcel Reif hat ins Haus seiner Frau geladen. Der Kommentator im Ruhestand, der für viele Fußballfreunde als Nummer Eins seiner Zunft galt, begrüßt mit Sakko und Tuch in der Brusttasche. Der Stil: britisch zurückhaltend, aber elegant. Wir lassen uns an einem ovalen Tisch nieder, gelegentlich unterbrochen von Handy und Handwerkern entwickelt sich über mehrere Stunden ein Gespräch über den jüdischen Vater, Zweisamkeit und Sprachlosigkeit. Der Fußball spielt dabei nur eine Nebenrolle. Der Ton: ehrlich, manchmal selbstironisch.

Herr Reif, Sie tragen an Ihrem rechten Handgelenk Reif- und Bändchenschmuck, was bedeutet der?

Das sind erste Geschenke meiner Frau, nach dem Kennenlernen. Und dieses Lederbändchen, das tragen alle Söhne und ich, mit den jeweiligen Initialen.

Wenn Sie in den Spiegel schauen, wen sehen Sie da?

Sehr oft meinen Vater. Offensichtlich werden wir auf der männlichen Schiene nicht gezeugt, sondern geklont. Auch mein erwachsener Sohn sieht aus wie ich. Ich mache tausend Dinge so, wie mein Vater sie getan hat. Meine Mutter, als sie noch lebte, sagte häufig zu mir, manchmal kommst du ins Zimmer – und wie du läufst und guckst, dein Lachen, wie du die Augen zusammenkneifst: ganz wie der Vater. Manchmal beim Rasieren denke ich tatsächlich: Das bist jetzt nicht du.

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