Maja Göpel
„Anstand spielt keine Rolle mehr.“
Zur Person
Prof. Dr. Maja Göpel, geboren 1976 in Bielefeld, ist Politökonomin, Nachhaltigkeitsexpertin und eine der bekanntesten Stimmen für gesellschaftlichen Wandel im deutschsprachigen Raum. Als Tochter einer Medizinerin und eines Gesundheitswissenschaftlers wuchs sie nahe Bielefeld in einem ausgebauten Bauernhof mit mehreren Familien auf und besuchte eine Reformschule. Göpel ist Honorarprofessorin an der Leuphana Universität Lüneburg und Geschäftsführerin der Global Eco Transition GmbH. Zuletzt war sie wissenschaftliche Direktorin am The New Institute und Generalsekretärin des Wissenschaftlichen Beirats der Bundesregierung Globale Umweltveränderungen (WBGU). Mit ihrer 2023 gegründeten Initiative „Mission Wertvoll“ setzt sie sich für zukunftsfähige Wirtschafts- und Gesellschaftsmodelle ein. Ihre erzählerischen Sachbücher „Unsere Welt neu denken“ (2020), „Wir können auch anders“ (2022) und „Werte“ (2025) wurden allesamt zu SPIEGEL-Bestsellern. Maja Göpel lebt mit ihrer Familie in Potsdam.
19. Juni 2025, Berlin. Maja Göpel ist Expertin für Nachhaltigkeitspolitik und Transformationsforschung. Das klingt etwas sperrig und blendet eine ihrer wichtigsten Rollen aus: Stimme der Vernunft in deutschen Talkshows – oft die letzte verbliebene. Göpel setzt sich für eine gemeinwohlorientierte Wirtschaft ein und hält bewundernswert beharrlich die Fahne des Klimaschutzes hoch. Gerade ist ihr neues Buch „Werte. Ein Kompass für die Zukunft“ erschienen. Anlass genug für ein Gespräch zur Lage der Nation, für das sie kein Warm-up braucht. Göpel ist gleich in großen Bögen unterwegs, die von Deutschland über die USA nach Bhutan und zurück führen.
Maja Göpel, warum herrscht in Deutschland eigentlich so miese Stimmung?
Weil wir uns jeden Tag erzählen, wie schlimm alles ist.
Ist es nicht auch schlimm?
Ganz objektiv finde ich die Weltgeschehnisse auch herausfordernd und bedrohlich. Gleichzeitig nehme ich einen Unterschied zwischen Deutschland und anderen Ländern wahr. Menschen aus anderen europäischen Ländern, die nicht wirklich in einer anderen Situation sind, spiegeln mir in Gesprächen, dass sie die Debatte bei uns als verhakt, überempört, wenig lösungsorientiert und aggressiv wahrnehmen.