Lukas Podolski
„Ich brauche keine Ruhe, ich will machen.“
Zur Person
Lukas Podolski (geboren am 04. Juni 1985 im polnischen Gliwice) siedelte 1987 mit seiner Familie nach Bergheim in die Nähe von Köln um. Vater Waldemar Podolski war Fußballprofi, Mutter Krystyna Podolska Handballspielerin. Mit zehn Jahren wechselte Lukas Podolski in die Jugendabteilung des 1. FC Köln, sein Debüt in der Profimannschaft gab er 2003 mit 18 Jahren. Nach drei Jahren beim FC mit 81 Spielen und 46 Toren wechselte er 2006 zum FC Bayern, bevor es 2009 zurück nach Köln ging. Danach spielte er in London beim FC Arsenal, in Mailand bei Inter, später in Japan und in der Türkei. 2021 wechselte er zu Górnik Zabrze, dem Heimatverein seiner Familie in Polen. Seit 2025 hält er 8,5 Prozent der Aktien an diesem Club. Für die deutsche Nationalmannschaft erzielte er zwischen 2004 und 2017 in 130 Länderspielen 49 Tore. 2014 wurde er mit der Nationalelf Fußball-Weltmeister. 2017 eröffnete Podolski einen Eisladen in Köln. Es folgten viele weitere Gründungen, zum Beispiel ist er Co-Betreiber einer Döner-Kette und Mitveranstalter des Glücksgefühle-Festivals. Mit seiner Frau Monika Puchalski ist er seit 2004 zusammen, die Heirat erfolgte 2011. Das Paar hat zwei Kinder, Sohn Louis (18) spielt aktuell in der U19 von Zabrze, wo die Familie auch lebt.
31. März 2026, Berlin. Lukas Podolski hat fußballfrei. Vor zwei Wochen sah er nach einer vermeintlichen Tätlichkeit die rote Karte. So kommt es zu einer Zwangspause, bevor seine Profikarriere am Ende dieser Saison mutmaßlich ein Ende findet. Ein Problem hat Podolski, 40, damit nicht. Längst ist er Multi-Unternehmer, dazu Anteilseigner beim Heimatverein seiner Familie in Polen. Und jetzt erscheint mit »POLDI« auch noch eine Netflix-Doku über sein Leben. Eine gute Gelegenheit, über das zu sprechen, was den Menschen Lukas Podolski auszeichnet. Aber natürlich auch über die Sache mit der roten Karte.
Lukas Podolski, was war denn da im März beim Spiel Ihres Clubs Górnik Zabrze gegen den regionalen Rivalen Rakow Tschenstochau los, als Sie zwei Minuten nach Ihrer Einwechslung wegen einer vermeintlichen Tätlichkeit glatt Rot gesehen haben?
Wäre ich Schiri, hätte ich die rote Karte nicht gegeben, weil es meiner Meinung nach keine Tätlichkeit war. Ich lag auf dem Boden, wollte wieder hoch, da griff mein Gegenspieler noch mal mit seiner Hand nach mir, nach dem Motto: „Steh doch auf!” Ich schlug dann seine Hand weg, und dann fiel er um. Es ist nicht mehr der Fußball, den ich von früher kenne.
War früher alles besser?
Nicht unbedingt besser, aber anders. Heute geht es theatralischer zu. Es gibt auf dem Platz unzählige Diskussionen, es passiert viel drumherum. Ich mag aber eher den ehrlichen Fußball: rausgehen, 90 Minuten alles geben, Mund abputzen. Wenn ich mich an meine ersten Trainingseinheiten im Profikader des FC erinnere, da standen Spieler wie Dirk Lottner, Alexander Voigt oder Moses Sichone auf dem Platz. Da wurden auch im Training die Schuhe mit den 17-Millimeter-Stollen getragen, gab es Zweikämpfe, wurde geackert und auch getreten. Da komme ich her, das ist der Sport, wie ich ihn kennengelernt habe und wie ich ihn liebe. Ich glaube aber auch, dass die meisten Fans diese traditionelle Art des Fußballs lieben. Die haben doch alle keinen Bock auf Schauspieler und Diskussionen um den Videobeweis. Fans wollen Echtheit und Ehrlichkeit, und sie wollen, dass sich bestimmte Dinge nicht verändern. Und das verkörpere ich. Ich bin, was den Fußball betrifft, ein traditionell denkender Mensch.