Luigi Colani

Luigi Colani

„Urbanistik beginnt bei der Unterwäsche.“

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Zur Person

24.07.2014, Karlsruhe. Die runde Welt des Luigi Colani: Der Design-Philosoph ist einer, der sich sein Leben lang an die Gesetzmäßigkeiten der Natur angelehnt hat. Sein Schaffen ist eine Hommage an die Menschlichkeit, vermittelt analytisch klar durchdacht ein Gefühl der Wärme, ist einfach und hoch kompliziert zugleich. Für Galore nahm sich der Großmeister des Designs viel Zeit für ein Gespräch über sein Leben und seine Hoffnung auf eine lebenswerte Welt. Denn, so viel ist offensichtlich: Die Welt im gegenwärtigen Zustand ist in seinen Augen alles andere als ein hoffnungsvoller Planet. In seinem Dozieren ist Colani klar, aber auch bildhaft und weitschweifig - es sind die großen Zusammenhänge, die ihm am Herzen liegen.

Vom Colani der 60er-Jahre bis zum heutigen Vordenker und Propheten für eine neue, lebenswertere Welt ist es ein weiter Weg. Wie sieht Ihre Vision von einer neuen Welt aus?

Luigi Colani: Wenn wir 250 Stunden Zeit haben, kann ich das gerne erläutern. Diese Welt von heute, in der wir leben müssen, ist keine lebenswerte Welt. Das ist ganz eindeutig. Wir können bei der Politik anfangen, bei der großen Politik, bei der mittleren und der kleinen Politik, der Landespolitik, überall Fehlleistungen über Fehlleistungen, die sich in der Industrie fortsetzten. Alles ist amorph, an Händen und Füßen mit Tesafilm gefesselt stehen wir in Deutschland schräg in der Ecke wie ein nasser Teppich, um es mal sehr drastisch zu formulieren. Dem haben wir uns als Widerstandsnest entgegenzusetzen und das ist eine sehr harte Aufgabe. Fast alle lassen die Mundwinkel runterhängen, wir sind diejenigen, die sie noch oben haben.

War denn die Welt in den 60ern besser?

Sie war eindeutig besser, der Optimismus grassierte, es wurde sogar danach gefragt, nach vorne zu springen. Heute stemmen alle die Fersen in den Boden und wir sind auf null, weniger geht gar nicht mehr. Wir haben wahrscheinlich die Talsohle erreicht, in der Hoffnung, dass es nach dem Tiefstpunkt nicht mehr tiefer gehen kann und wir möglicherweise einen ganz vorsichtigen Aufstieg vor uns haben.

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