Kurt Krömer

Kurt Krömer

„Das ganze System ist depressiv.“

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  • Nikita Teryoshin
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Zur Person

18. Februar 2022, Berlin. Kurt Krömer erscheint etwas verspätet zum Gespräch in den gepflegten Räumen seiner Agentur am Kurfürstendamm. Gestresst wirkt er nicht. Schade bloß, dass die Zigaretten, die er vor sich auf den Tisch legt – gleich neben die bereitstehenden Nüsschen-Schalen und das Softdrink-Sortiment – hier drinnen nicht geraucht werden dürfen. Doch auch ohne Nikotin wird es ein zunehmend entspanntes Gespräch. Obwohl es sich fast ausschließlich um ernste Themen dreht.

Kurt Krömer, in welchen Momenten fühlen Sie sich wirklich männlich?

Männlich? Seit ich 14 war, fühle ich mich nicht so wirklich männlich. Ich hatte einen Vater, der sehr brutal war, Fraktion Chuck Norris, der harte Mann, der keine Freunde hat und alles mit sich selbst ausmacht. Meine Definition von einem Mann, der ich nie sein wollte.

Als Sie noch ein Kind waren, hat er vor Ihnen damit geprahlt, wie er Leute krankenhausreif prügelt. Ziemlich unfassbar aus heutiger Sicht.

Ich habe als Kind auch Bier und Zigaretten für ihn gekauft. Ist nicht schön, macht man nicht, hätte man früher auch nicht machen sollen, war aber gang und gäbe. Inzwischen ist mein Vater tot, meine Mutter lebt noch. Ich habe mich jahrzehntelang mit der Frage beschäftigt, ob ich ein schlechter Sohn war. War ich aber nicht.

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